Hamburg - Noch immer liegt der gestrandete Buckelwal auf einer Sandbank vor der Insel Poel. Auch die Tierfilmerin und Unterwasserkamera-Spezialistin Christina Karliczek Skoglund (49) ist von dem Schicksal des Tiers berührt. Schließlich begab sich die Expertin bei einem Tauchgang vor Hawaii für ihre Dokumentation "Unter Buckelwalen – Auf den Spuren ihrer Sprache" auf die Spuren von Buckelwalen.
"Es ist absolut berührend, so einen Wal in so einer Situation zu sehen. Es macht mich zutiefst traurig, und ich fühle einfach sehr mit", erklärt Karliczek Skoglund in der Talksendung "DAS! Rote Sofa" zu dem Schicksal des gestrandeten Tiers in der Ostsee. Auf der anderen Seite freue sie sich jedoch auch, dass ein Tier wie der Wal in so einer schwierigen Situation so viel Aufmerksamkeit bekomme.
Schließlich handle es sich bei diesem Tier nicht um den ersten Wal, der in die Ostsee kommt. "Auch aus einer größeren Perspektive sterben einfach so viele Wale in unseren Meeren still und heimlich, zum Beispiel durch Fischnetze." Bekannt sei auch, dass Wale teilweise von selbst Strandbereiche aufsuchen, wenn sie merken, dass sie sterben wollen, erklärt die Expertin weiter.
Warum sich der Buckelwal, der zuvor bereits mehrfach an verschiedenen Orten gestrandet ist, immer wieder eine Sandbank aussucht, statt einfach davonzuschwimmen? "Für einen Wal kann es auch ein Impuls sein, nicht ertrinken zu wollen", so die Tierfilmerin. Letztendlich wisse den Grund für sein Stranden jedoch nur das Tier selbst.
Tierfilmerin Christina Karliczek Skoglund ermutigt zu Engagement im Walschutz
Karliczek Skoglund hatte bei ihren Tauchgängen vor Hawaii bereits direkten Kontakt mit Buckelwalen. Vor allem das Verhalten der Tiere probiere sie nach eigenen Angaben, in solchen Situationen zu lesen. Zwar möchte sie auch schöne Bilder mit ihrer Kamera einfangen, "aber trotzdem versuche ich, durch meine Körpersprache eine Interaktion zu haben".
Doch nicht nur die Optik sei faszinierend gewesen, auch der Gesang unter Wasser sei einzigartig. "Das waren so starke Schallwellen, die durch den ganzen Körper durchgehen", erinnert sich die niederländisch-deutsche Dokumentarfilmerin. Gleichzeitig werden bei aller Faszination auch die Gefahren für die Meeresbewohner deutlich.
Eine Gefahr für Wale sind unter anderem sogenannte "Geisternetze", also entsorgte Fischernetze aus Kunststoff, die in den Meeren treiben. Darin können sich nicht nur Wale, sondern auch andere Meeresbewohner verheddern, was letztendlich auch zum Tod führen kann.
So hat auch der gestrandete Buckelwal in der Ostsee Teile solcher Fischernetze am Kopf. Generell sei die Rettung von Walen eine komplexe Angelegenheit. So zeigt sich Karliczek Skoglund froh darüber, die neu gewonnenen Erkenntnisse durch die Strandung des Wals vor Poel mitzunehmen und weiterzuentwickeln.
"Wo sich Menschen auch langfristig engagieren können, ist im Walschutz", appelliert die Expertin. "Wir können allen den Walen und deren Lebensraum etwas Gutes tun."