Grimma - 1990 kam die D-Mark in die DDR. Ein Kraftakt, der über Nacht das Leben der Ostdeutschen veränderte: Eine neue Warenwelt zog ein, doch mit vielen Versprechen kamen auch Zukunftsängste. Für viele Betriebe und Lebensentwürfe folgte das Aus. Doch wie fühlt es sich an, wenn die gewohnte Währung plötzlich weg ist und ein Brot das Fünffache kostet?
In der neuen ZDF-Doku "Als die DDR das Westgeld bekam" erinnern sich Zeitzeugen an diese turbulente Phase der deutschen Geschichte zurück - darunter die einstige Direktorin der Sparkasse in Grimma im Landkreis Leipzig, Heidrun Naumann, und ihre damalige Mitarbeiterin Angela Elsner.
"Die Westmark im Osten bedeutete die Freiheit", bilanziert Heidrun Neumann einleitend. Doch für die Sparkassenangestellten ging der historische Umbruch mit extremen Arbeitszeiten und enormer Belastung einher.
"Überstunden, Überstunden, Überstunden, wir haben nur gearbeitet", erinnert sich ihre Kollegin Angela Elsner zurück. Zumeist sei sie morgens um 6 Uhr zur Arbeit gegangen und erst abends um 21 Uhr nach Hause gekommen. "Wir haben in diesen Wochen so viele Konten eröffnet wie noch nie!"
Bei Heidrun Neumann lief es in diesen Tagen ähnlich: "Ich hatte zu meinem Mann gesagt: 'Du musst dich kümmern', den Haushalt hatte er zu erledigen!"
Zwei Frauen mit mehreren Millionen D-Mark allein im Auto
Aus rund 155 Milliarden Ostmark Privatguthaben sollten in kurzer Zeit etwa 110 Milliarden D-Mark werden - eine Herkulesaufgabe und weltweit der erste Fall dieser Art. Als am 1. Juli 1990 die eigentliche Währungsumstellung erfolgte, bildeten sich endlos lange Schlangen vor den Geldinstituten.
Der Ansturm war kaum noch zu bewältigen. "Auf die Kollegen wurde gar nicht mehr gehört", erzählt Elsner. "Wir wussten uns am Ende nicht anders zu helfen, als die Polizei zu rufen, um überhaupt nach Hause gehen zu können."
Schon am nächsten Tag waren die ersten Bargeldbestände aufgebraucht. Nachschub musste her – direkt aus der Bundesbank-Filiale in Leipzig.
Auf dem Rückweg kam es dabei zu einer brenzligen, im Rückblick aber amüsanten Szene: "Der Polizeitrabi, der uns absichern sollte, war wegen des dichten Verkehrs plötzlich nicht mehr zu sehen. Und so sind wir zwei Frauen mit mehreren Millionen Mark ganz alleine im Wartburg nach Grimma gefahren", erinnern sich Neumann und Elsner schmunzelnd.
Die komplette Dokumentation seht Ihr ab Samstag jederzeit auf Abruf in der ZDF-Mediathek.