Annette Frier über Christoph Maria Herbst: "Wir können besonders gut streiten"
Köln - Sie können streiten, sticheln und sich gegenseitig zur Weißglut treiben, wie kaum ein anderes TV-Paar. Seit 2019 stehen Annette Frier (52) und Christoph Maria Herbst (60) als Anne und Erik Merz gemeinsam vor der Kamera. Aus drei Staffeln "Merz gegen Merz" ist inzwischen eine Filmreihe geworden und aus den beiden Hauptdarstellern mittlerweile fast so etwas wie ein altes Ehepaar.
"Man kann fast 'mittlerweile' weglassen. Das macht die Zeit alles selber", sagt Frier im Gespräch mit TAG24 und lacht. "Wir drehen ja wirklich schon einige Jahre miteinander, man hat sich also sehr gut kennengelernt."
Das merkt man. Anne und Erik mögen längst geschieden sein, voneinander los kommen sie trotzdem nicht und auch vor der Kamera sitzt inzwischen jeder Seitenhieb. "Christoph und ich können besonders gut streiten, da entsteht ein feiner Flow beim Fetzen", verrät Frier.
Was einst vor allem die Geschichte dieses einen Paares war, ist über die Jahre zu einem ganzen Familienkosmos gewachsen. "Am Anfang waren wir sehr im Lead, mittlerweile erzählt die Reihe ja die Geschichten von fünf Paaren." Trotzdem hätten sie und Herbst weiterhin "so ein bisschen die zentrale Aufgabe".
Im mittlerweile vierten Film "Merz gegen Merz – Entscheidungen" wird es erneut turbulent. Maria (Claudia Rieschel, 75), Annes Mutter, will ihre Freundin Silvia (Alexandra von Schwerin, 64) heiraten. Doch ausgerechnet Anne reagiert auf die geplante Hochzeit wenig begeistert. Gleichzeitig trifft Ludwigs (Michael Wittenborn, 73) fortschreitende Demenz die Familie mit voller Wucht. Er fasst schließlich einen Entschluss, der die Merzens vor eine der schwersten Entscheidungen ihrer Geschichte stellt.
Humor statt Drama
Trotz der ernsten Themen bleibt "Merz gegen Merz" seinem Ton treu. "Die Verabredung lautet immer noch Komödie. Wo entsteht gerade die Absurdität? Auch im Drama. Wo dürfen wir lachen?", erklärt Frier.
"Ich persönlich finde den vierten Film eigentlich wieder lustiger als den dritten. Der dritte Teil war für mich ein Stück über Einsamkeit, so traurig. Im vierten Teil finden sich schon wieder Konstellationen und neue Koalitionen, über die man sich freuen darf", findet Frier.
Dass aus der einst rund 25-minütigen Serie inzwischen 90-minütige Filme geworden sind, gibt den Merzens dafür mehr Raum. "Die Figuren dürfen sich immer mehr ausbreiten", sagt Frier. Nach der dritten Staffel habe das Team beim Wechsel ins längere Format schnell gemerkt: "Das funktioniert tadellos."
Vielleicht funktioniert es inzwischen auch deshalb so gut, weil das Ensemble seine Figuren beinahe im Schlaf kennt. Nervös werden wegen eines vergessenen Satzes? Fehlanzeige.
Auf die Frage nach den meisten Texthängern nennt Frier augenzwinkernd ausgerechnet Michael Wittenborn: "Mein Vater Michael Wittenborn - aus Demenzgründen. Er hat jedenfalls die beste Ausrede beim Texthängen."
Erik, das Phantom
Bei den Merzens selbst sei die Atmosphäre nach all den gemeinsamen Jahren ohnehin eine andere. "Bei den Merzens kommen ja alle schon schreiend in den Raum gerannt – Stichwort Familiendynamik: 'Ich bin daha!' Wir sitzen dermaßen satt in unseren Rollen, da habe ich doch keine Angst vor einem Texthänger. Das ist völlig egal. Dann machen wir’s halt nochmal."
Genau diese Vertrautheit ist für Frier inzwischen ein Teil der Geschichte. Während die Welt immer schneller werde, würden Beziehungen schließlich nach anderen Regeln funktionieren. "Wir versuchen immer schneller zu werden und die KI immer schneller zu irgendwelchen Sachen zu befragen. Echte Beziehungen funktionieren anders, über Zeit."
Und nach so vielen Jahren kennt Frier ihre fiktive Familie offenbar sogar gut genug für die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Wer würde im Merz-Gruppenchat nerven? "Am häufigsten Ludwig, die längsten Maria", kommt die Antwort prompt. Und Erik? "Bei Erik fragt man sich, ob er ein Phantom ist oder mittlerweile ein neues Handy hat."
"Merz gegen Merz – Entscheidungen" läuft am Donnerstag ab 20.15 Uhr im ZDF. Der 89-minütige Film ist außerdem bereits im ZDF-Streamingportal abrufbar.
Titelfoto: ZDF/Brendan Uffelmann

