Von Martin Oversohl
Hockenheim - "Good Vibes Only" hatten sich die Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals erhofft. Aber nach dem Hin und Her um politische Äußerungen und die Aus- und Wiedereinladung der Band Alphaville schwang bei vielen Auftritten auf dem Hockenheimring ein anderer Sound mit.
"Willkommen auf der politischen Veranstaltung", rief etwa DJ Felix Jaehn (32) von der Bühne aus seinen Fans zu und positionierte sich als queere Person deutlich gegen Rechts. Und für die Berliner Band Culcha Candela ist Glücksgefühle inzwischen "zum politischsten Festival Deutschlands" geworden.
"Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung", sagte Marian Gold (72) dem "Spiegel". "Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen."
Alphaville ("Big in Japan", "Forever Young") hätte an diesem Wochenende bei dem Festival auftreten sollen. Die Organisatoren hatten jedoch erklärt, ihr Festival sei "keine Plattform für politische Äußerungen".
Da sich Alphaville bei einer früheren Veranstaltung mehrfach politisch geäußert hatte, wurde die Band ausgeladen - und später wieder eingeladen. Sie akzeptierte die Entschuldigung, verzichtete aber auf den Auftritt.
Sänger Gold: Debatte hat viele aufgeweckt
Der 72-jährige Gold warnte vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland: Es sei höchste Zeit, "sich den demokratiefeindlichen und rechtsradikalen Bewegungen, die immer mehr an Boden gewinnen, vehement entgegenzustellen, bevor es zu spät ist", sagte Gold.
"Zu spät" sei es dann, wenn solche Kräfte durch Wahlen in Ämter gelangten und die durch das Grundgesetz garantierten Rechte einschränken oder abschaffen könnten. "Wenn ihnen das gelingt, dann gute Nacht, Deutschland", sagte er.
Gold sieht in der Debatte aber auch einen positiven Effekt: Das mediale Aufsehen habe den öffentlichen Diskurs über die Zukunft Deutschlands befördert und "vielleicht viele Menschen aufgeweckt".
In einem Instagram-Post bedankte er sich zudem für die "unfassbare Welle der Solidarität" und schrieb: "Ihr habt dieses Festival in Eure eigenen Hände genommen und gezeigt, dass Glücksgefühle das Ergebnis einer inneren Haltung sind und nicht einer Verordnung von oben."
Podolski warnt vor Beleidigungen
Am Samstagabend trat die Kult-Popband No Angels auf und trug dabei T-Shirts mit der Aufschrift "FCK AFD". "Wir stehen für Vielfalt, für Gleichheit, für freie Liebe. Uns ist eines wichtig: Die Würde des Menschen ist unantastbar", sagten die vier Sängerinnen. Popstar Mark Forster (43) betitelte den Alphaville-Hit "Forever Young" bei seinem Auftritt als "Nationalhymne Hockenheims".
Ex-Fußballstar und Mitorganisator Lukas Podolski (41) stellte sich trotz der Kontroverse hinter seinen Partner: "Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben."
Zugleich warnte er Kritiker vor Beleidigungen in sozialen Medien: Er lasse weder seine Familie noch sich selbst beleidigen und wolle sich nicht in eine politische Ecke drängen lassen.