Von Chatarina Zelt & Martin Oversohl
Hockenheim - Im Streit um politische Äußerungen auf dem Glücksgefühle-Festival erlebt der mehr als 40 Jahre alte Alphaville-Klassiker "Forever Young" ein kleines Comeback. Mehrere Künstler nahmen den Song spontan in ihr Programm auf dem Hockenheimring auf.
Während sich die Veranstalter um Schadensbegrenzung bemühen, scheint gerade die Forderung nach einem unpolitischen Festival die Debatte weiter zu politisieren.
Sänger Tom Gregory (30) eröffnete sein Set auf der Hauptbühne mit "Forever Young", auch Rapperin Nura (37) spielte den Klassiker an und sagte: "Wenn man mich bucht, dann kriegt man auf jeden Fall keine unpolitische Show." Bereits am Donnerstagabend hatte DJ Alle Farben (41) den Song beim Vor-Auftakt gespielt.
Auslöser war die Bitte der Veranstalter, bei Auftritten nicht über Politik zu sprechen. Alphaville wurde zunächst ausgeladen, nach zahlreichen Medienberichten über die Aktion später aber wieder eingeladen - und blieb dennoch fern. Die Ausladung hatte heftige Kritik hervorgerufen und den Auftakt des Festivals überschattet.
Auch DJ Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt ab. Es sei normale Zivilcourage, sich für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte sowie gegen Rechtsextremismus auszusprechen, schrieb er auf Instagram. Der Versuch, Künstler mundtot zu machen, sei nicht hinnehmbar.
DJ Felix Jaehn (32) reagierte ebenfalls entsetzt. "Seit wann soll Kunst unpolitisch sein?", fragte er. Als queere und non-binäre Person werde er sich nicht das Recht nehmen lassen, sich gegen eine Partei auszusprechen, die in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft sei. Jaehn kündigte an, die Bühne für eine entsprechende Botschaft zu nutzen.
Veranstalter: "Das ist superdämlich gewesen"
Mitveranstalter Markus Krampe (55) bezeichnete seine ursprüngliche Entscheidung am Rande des Festivals als Fehler. "Das ist superdämlich gewesen", sagte er. Er hätte es aber begrüßt, wenn Alphaville nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre. "Dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können", sagte Krampe.
Die Veranstalter erklärten, das Festival sei "komplett unpolitisch". Es gehe nicht um Golds politische Haltung, sondern um den Rahmen der Veranstaltung und das Versprechen "Good vibes only".
Alphaville wertete die Forderung dagegen als unzulässige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Gold sprach von einem "Maulkorberlass" und einem feindseligen, unnötigen Vorgang.
Culcha Candela kritisieren Vorgehen
Die Berliner Band Culcha Candela ("Hamma", "Monsta") will nach eigenen Angaben zwar an ihrem Auftritt auf dem Hockenheimring festhalten. Sie kündigte aber an, sich am Samstag auf der Bühne deutlich und lautstark politisch zu positionieren. Die Band habe sich immer wieder kritisch über die AfD geäußert.
"Das hätten wir auch beim GG Festival gemacht und werden es jetzt nach dem Eklat eventuell noch ein wenig lauter machen, notfalls mit Megaphonen, falls uns jemand den Stecker zieht", heißt es in einem schriftlichen Statement. Die Entscheidung der Veranstalter sei "insgesamt eine sehr, sehr strange Nummer" gewesen.
Auch die Partysängerin Mia Julia (39) äußerte sich politisch: "Ich steh für Toleranz, ich steh für freie Liebe und ich steh auch für Vielfalt", rief sie den Fans von der Bühne aus zu. "In der heutigen Zeit können wir nicht den Mund halten. Wir müssen den Mund aufmachen, um gewisse Augen zu öffnen."