Von Dorothea Hülsmeier
Düsseldorf - Die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes (45) hat im nordrhein-westfälischen Landtag gravierende Schutz- und Strafbarkeitslücken gegen sexualisierte Gewalt im Netz beklagt.
Zwar gebe es Meldemechanismen bei den großen Plattformen. "Meiner Erfahrung nach funktionieren sie aber nicht", sagte Fernandes als Sachverständige in einer Anhörung im Ausschuss für Kultur und Medien zur Bekämpfung digitaler Gewalt und sogenannter Deepfakes.
Auch sie habe "ganz klare Deepfakes" bei Plattformen gemeldet, so Fernandes. Innerhalb weniger Sekunden sei zurückgekommen: "Konnten wir nicht feststellen, dass es sich hierbei um ein Deepfake handeln soll."
Nach ihrem Wissen gebe es nur einen einzigen Fall, bei dem es bei digitaler sexualisierter Gewalt zu einer Verurteilung gekommen sei, sagte Fernandes.
Sie habe mit verschiedenen Opferanwältinnen gesprochen, und diese hätten geschildert, dass ihre Fälle alle wegen Geringfügigkeit eingestellt worden seien, so Fernandes.
"Und ich glaube, das hat einfach auch was damit zu tun, dass vielen gar nicht bewusst ist, was das für die Betroffenen bedeutet", betont die 45-Jährige.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig plant Gesetz für mehr Cyberschutz
Fernandes richtet seit einiger Zeit öffentlich Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (51), über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Sie wirft ihm neben körperlichen Übergriffen vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Dabei geht es nicht um Deepfakes.
Ihre Vorwürfe hatten eine breite Debatte über sexualisierte Gewalt im Internet und Demonstrationen in mehreren deutschen Städten ausgelöst. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Die Bundesregierung hat inzwischen auf die aktuelle Situation reagiert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (57, SPD) bereitet ein Gesetz vor, das das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll.
Das englische Wort "Deepfake" steht für manipulierte Bild- oder Tondateien, die Menschen mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt haben. Fotos, Videos oder Töne sollen dabei authentisch wirken, zeigen aber Menschen in Situationen, in denen sie sich tatsächlich nie befunden haben. Meist geht es nach Angaben der Ermittlungsbehörden dabei um sexualisierende Darstellungen von Frauen.