München - Jens Lehmann (56) steht mal wieder vor Gericht – diesmal allerdings nicht als Beschuldigter, sondern als Kläger. Der Ex-Nationaltorhüter fordert 572.661,18 Euro Schadensersatz plus Zinsen von einer Wirtschaftsprüferkanzlei. Der Hintergrund: ein Aktien-Deal aus dem Jahr 2020.
Lehmann sollen damals Aktien von einem Münchner KI-Unternehmen für einen Euro pro Stück angeboten worden sein, bei einem tatsächlichen Wert von angeblich 6,50 Euro pro Share – klingt nach einem lukrativen Deal.
Der 56-Jährige investierte 500.000 Euro. Laut Lehmann habe ein Freund, der im Vorstand der Firma saß, ihn zu dem Investment im Rahmen einer Kapitalerhöhung überredet.
Das Geld verwaltete dabei eine Wirtschaftsprüferkanzlei treuhänderisch. Genau diese Kanzlei steht nun vor dem Landgericht München als Angeklagter. Lehmann wirft ihr vor, ihn über den tatsächlichen Wert der Aktien getäuscht und ihn nicht über die Verwendung seines Geldes informiert zu haben.
Die KI-Firma wollte mit dem frischen Kapital von Lehmann ein Baumaschinen-Unternehmen übernehmen. Aber der Deal platzte. Das drückte den Aktienkurs massiv.
Geld war irgendwann weg und Jens Lehmann wusste nicht, was damit passiert ist
Für Lehmann bedeutete das: Als ihm die Aktien zugeteilt wurden, stand der Kurs bereits bei 3,50 Euro. "Ich wollte sofort verkaufen", sagte der 56-Jährige vor Gericht. Sein Freund im Vorstand habe ihn davon aber abgehalten. "Wahrscheinlich hatte er Angst, dass der Kurs fällt, wenn ich verkaufe."
Lehmanns Anwalt argumentiert, bei einem geplatzten Geschäft hätte man seinem Mandanten eine Rückabwicklung anbieten müssen. Stattdessen sei das Geld verwaltet worden, ohne dass er über den Kursverfall informiert wurde.
Die beklagte Partei widerspricht dieser Argumentation. Sie beruft sich auf eine nachträgliche Vertragsanpassung, nach der je Aktie zwei Euro statt 1 Euro fällig gewesen seien. Lehmann selbst sagt, er könne sich daran nicht erinnern.
Er nahm den Deal folgendermaßen wahr: "Mein Eindruck war, dass mein Geld irgendwann weg war und ich nicht weiß, was damit passiert ist."
Die Aktien hält der Ex-Keeper bis heute. Der Kurs liegt aktuell bei knapp einem Euro.
Jens Lehmann als Dauergast vor Gericht
Jens Lehmann hatte in der Vergangenheit immer wieder Ärger mit der Justiz. Der wohl kurioseste Vorfall ereignete sich im Juli 2022, als der ehemalige Torhüter den Dachbalken der Garage seines Nachbarn am Starnberger See mit einer Kettensäge ansägte.
Hintergrund war ein anhaltender Nachbarschaftsstreit, weil der Neubau seinen Blick auf den See versperrte. Im September 2024 wurde er dafür zu einer Geldstrafe von 135.000 Euro rechtskräftig verurteilt.
Auch mit einer Autovermietung streitet sich Lehmann vor Gericht.