Hamburg – Sänger und Songwriter Samu Haber feiert in diesem Jahr gleich zweimal runden Geburtstag. Der ehemalige "Sunrise Avenue"-Frontmann wird am heutigen Donnerstag nicht nur 50 Jahre alt, sondern steht 2026 zudem bereits 20 Jahre auf der Bühne. Was das Geburtstagskind in zwei Jahrzehnten Musikbusiness für sich gelernt hat, ob Samu etwas anders machen würde und was er sich für seine nächsten Jahre als Musiker sowie für den privaten Samu wünscht, verriet er im Interview mit TAG24.
TAG24: Samu, wie fühlt es sich an, auf deine Karriere zurückzublicken – auf zwei Jahrzehnte als Musiker?
Samu: Es ist wie ein Film, der im Schnelldurchlauf abläuft. Es klingt eigentlich total blöd, aber es ist so cool, Instagram zu haben, weil man in seinem eigenen Feed zurückgehen kann, um zu sehen, was alles passiert ist.
Aber es ist unvorstellbar. Ich mache seit acht Jahren Therapie – viel Therapie. Jemand sehr Kluges hat mal gesagt, dass man sein Leben so leben sollte, dass das 80-jährige Ich und das achtjährige Ich stolz auf einen sind.
Wenn ich darüber nachdenke, den achtjährigen Samu zu diesem Interview oder zu einer der Shows mitzubringen – einfach unglaublich. Ich habe so viel Glück gehabt mit allem, was ich tun durfte. Die ganzen "The Voice"-Staffeln in Deutschland, die Songwriting-Sessions überall auf der Welt, die Sachen in Hollywood, in Australien, einfach überall, diese riesigen Projekte. [...] Wenn die Welt mich lässt, hänge ich liebend gerne noch mal 20 Jahre dran.
TAG24: Was würdest du dem achtjährigen Samu mit all der Erfahrung und den Geschichten im Rücken gerne sagen?
Samu: Eigentlich gar nichts. Seine Eltern, Onkel, Paten, Lehrer, Hockeytrainer – alle haben ihm damals versucht, Dinge mitzugeben. Ich finde nicht, dass wir anderen Leuten Ratschläge geben sollten. Ich würde ihn wahrscheinlich nur fragen: "Wie geht's dir?" und ihn umarmen. Gerade wenn ich sehe, wo ich jetzt bin – ich sitze hier in diesem Wohnzimmer und führe dieses Interview mit dir und würde nicht eine einzige Sache ändern wollen. Warum sollte ich also in der Zeit zurückgehen und ihm sagen, was er nicht tun soll?
Samu Haber vergleicht Leben mit dem Zyklus eines Baums
TAG24: Schöne Einstellung. Oft sagen Leute: "Ich würde ihm sagen: Zieh dein Ding durch." Du sagst: "gar nichts" – weil jeder die Erfahrungen selbst machen muss, richtig?
Samu: Ich könnte ihm sagen: "Pass in dieser Ecke des Lebens auf" oder "Sei in jener mutig." Aber ich glaube nicht, dass es im Leben darum geht, immer in Sicherheit oder Bequemlichkeit zu leben. Das Leben ist einfach das Leben.
Der Baum vor meiner Tür verliert jeden Oktober seine Blätter, und im April oder März bekommt er neue. Es gibt windige Tage, an denen er hin und her gepeitscht wird, und an manchen Tagen scheißen ihn die Vögel voll. Dann gibt es wieder sonnige Tage. Dann regnet es und alles fühlt sich frisch an. Das ist das Leben.
Ich glaube, das ist unser großes Problem heutzutage: Wir versuchen, alles zu maximieren – unsere kulinarischen Erlebnisse, den Urlaub, unsere Beziehungen, unsere psychische Gesundheit. Wir versuchen, Supermenschen zu sein. Aber es ist gut, manchmal "die Hosen voll zu haben". Es ist gut, Spiele zu gewinnen, jemanden zu lieben und es ist gut, wenn einem das Herz gebrochen wird. Frag den Baum draußen – das ist das, was er jedes Jahr durchmacht.
Samu Haber wünscht sich mehr "geduldige Menschen" an der Macht
TAG24: Nach all den Jahren stehst du immer noch gerne auf der Bühne. Warum genießt du das Performen bei Konzerten so sehr?
Samu: Ich liebe es, Musik zu erschaffen, Songs zu schreiben und zu komponieren. Man fühlt sich irgendwie auf eine schöne Weise mit sich selbst und der Welt verbunden.
Aber bei einer Show, wenn du einen Song singst – egal ob es ein emotionales Lied ist oder etwas total Fröhliches – und du jemandem in die Augen schaust, musst du nichts sagen. Du weißt einfach, dass ihr dasselbe fühlt. Man teilt diese Emotion und fühlt sich auf beide Arten verbunden und gesehen. [...] Das ist etwas, das man für kein Geld der Welt kaufen kann.
Und der andere Grund ist: Ich bin vor jedem Auftritt nervös. Immer. Wenn der Tag kommt, an dem ich da einfach nur rausgehe und meinen Stiefel durchziehe, höre ich sofort auf, weil es mir dann nichts mehr bedeutet.
TAG24: Was wünschst du dir für die nächsten 20 Jahre – für dich als Privatperson und als Musiker?
Samu: Es wäre richtig cool, gesund zu bleiben. Das liegt nicht komplett in unserer Hand, dafür braucht man auch ein bisschen Glück. Aber ich wünsche mir vor allem, dass ich mutig genug bin, meinen eigenen Instinkten zu folgen und mein eigenes Leben zu leben. Wenn das bedeutet, Sunrise zu verlassen oder sogar irgendwann keine Musik mehr zu machen – was auch immer es bedeutet. Dass ich den Mut habe, auf meine eigene Stimme zu hören und das zu tun, was sich für mich richtig anfühlt.
Für die Welt wünsche ich mir, dass geduldige Menschen mehr Macht bekommen und dass wir die liebevollen Stimmen wieder ein bisschen mehr hören. Denn das würde auch mein Leben viel besser machen – weil es das Leben von jedem besser machen würde. Ich persönlich habe schon so viel vom Leben bekommen, privat wie beruflich. Es wäre ziemlich seltsam, sich noch mehr zu wünschen. Ich genieße einfach die Reise.