Schwer erkrankt: Kult-Talkmaster blickt auf mehr als 40 Jahrzehnte TV-Geschichte zurück
Von Martin Oversohl
Stuttgart - Es war nie seine Art, sich in den Vordergrund zu drängen. Wenn Wieland Backes (79) im Ludwigsburger Barockschlösschen Platz nahm, den Blick ruhig auf seine Gäste richtete und mit sanfter Stimme die erste Frage stellte, entstand im Fernsehen etwas Seltenes: Aufmerksamkeit.
Fast drei Jahrzehnte lang war Backes, der am 10. September 80 Jahre alt wird, Gastgeber des SWR-"Nachtcafés". In mehr als 700 Ausgaben sprach er mit rund 5000 Menschen über Liebe und Verlust, Familie und Fremdheit, Scheitern und Neuanfang - mit Prominenten ebenso wie mit Menschen, deren Namen kaum jemand kannte.
Das war sein journalistisches Prinzip: Backes wollte Menschen nicht vorführen, sondern verstehen. Der "letzte Niveautalker" wurde er genannt - ein Etikett, eine Auszeichnung für den Mann, der andere zum Erzählen brachte.
"Das Nachtcafé war sein Ding, seine Erfindung", sagt Bettina Backes über ihren mittlerweile an Parkinson erkrankten Mann. Die Sendung sei für ihn nicht einfach ein Beruf gewesen, sondern ein Ort, an dem Neugier, Menschenkenntnis und sein Sinn für Zwischentöne zusammenkamen.
Geboren wurde Wieland Backes 1946 als Kind einer Flüchtlingsfamilie in Österreich, aufgewachsen ist er in der Nähe von Backnang bei Stuttgart.
Seit 1973 war er mit dem Süddeutschen Rundfunk und später dem Südwestrundfunk verbunden. Nach dem Ende des "Nachtcafés" 2014 blieb er als Gastgeber der Rate-Sendung "Ich trage einen großen Namen" dem Fernsehen erhalten. Ende 2019 verabschiedete sich Backes auch von dieser Sendung.
"Es ist eine Kunst, aufhören zu können", sagte er damals.
Backes erkrankte schwer an Parkinson
2019 veröffentlichte er den autobiografischen Band "Ich war ein schüchternes Kind vom Lande". Und bis vor wenigen Jahren hielt er auch noch Lesungen aus seinen Büchern. Dann setzte sich die Krankheit zu sehr durch und schränkte ihn ein.
Dass Backes schwer an Parkinson erkrankt ist, gehört zu seinem Leben. "Wir haben die frühe Diagnose lange für uns behalten, bis die Krankheit zu sehr fortgeschritten war", sagt Bettina Backes.
"Er ist stets offen und klar mit seiner Krankheit umgegangen, war immer positiv", sagt seine Frau. Zu seinem 80. Geburtstag gibt es deshalb keine große öffentliche Feier. "Nur ein kleines Festchen im Kreis der Familie", sagt seine Frau.
Seinen Abschied vom Fernsehen habe er nie bereut. Vielleicht ist das die schönste Bilanz seines Berufslebens: Wieland Backes musste nicht laut werden, um gehört zu werden.
Titelfoto: Bildmontage: Franziska Kraufmann/dpa, SWR/SWR-Bildarchiv/dpa

