Sein Film schrieb Oscar-Geschichte: Regisseur Sebastián Lelio ist tot
Von Marcus Christoph
Berlin/Santiago de Chile - Der Film "Eine fantastische Frau" machte ihn zum Oscar-Gewinner: Nun ist der chilenische Regisseur Sebastián Lelio, der mehrere Jahre in Berlin lebte, im Alter von 52 Jahren in seiner Heimat Chile gestorben.
"Mit großer Trauer" gab Lelios Lebensgefährtin Amalia Kassai auf Instagram den Tod ihres Partners bekannt, der zu den international bekanntesten Filmschaffenden Lateinamerikas gehörte. Als Todesursache nannte die deutsch-chilenische Schauspielerin "gesundheitliche Gründe".
Lelio sei leblos in seinem Haus in Las Condes in der Metropolregion Santiago de Chile gefunden worden, berichteten lokale Medien übereinstimmend. Chiles Kulturminister Francisco Undurraga äußerte sich zutiefst betroffen und würdigte die Verdienste Lelios, dessen Filme das südamerikanische Land "an die Spitze der audiovisuellen Welt" geführt hätten.
Mit "Eine fantastische Frau" (Originaltitel: "Una mujer fantástica") gewann Sebastián Lelio 2018 als Regisseur den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film.
Es war das bislang einzige Mal, dass der Auslands-Oscar nach Chile ging. Das Werk beschreibt das Leben einer Transgender-Frau und bekam auf der Berlinale im Jahr zuvor den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.
Sebastián Lelio hatte eine enge Beziehung zu Berlin
Nach Berlin gekommen war der Chilene schon 2012, für ein halbes Jahr war er Gast des Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). Während dieser Zeit arbeitete er am Schnitt seines Films "Gloria", der in Chile gedreht und im folgenden Jahr im Wettbewerb der Berlinale uraufgeführt wurde.
Er blieb mehrere Jahre in der deutschen Hauptstadt und gründete in Kreuzberg das südamerikanische Restaurant "Gloria". Auch bei seinen weiteren Filmprojekten ließ er sich von Berlin inspirieren.
Geboren wurde Lelio 1974 im argentinischen Mendoza. Seine Kindheit verbrachte er im chilenischen Viña del Mar, in der Hauptstadt Santiago de Chile studierte er an der Filmhochschule.
Nachdem er mehrere Kurzfilme gedreht hatte, wagte er sich 2005 an das Drama "La sagrada familia". Schon darin zeigte sich sein Interesse, Vorurteile und soziale Heuchelei aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

