Tobias Moretti sorgt sich um die Jugend: Warum der "München Beats"-Star den Optimismus der 90er- vermisst
München - Die 90er-Jahre waren für viele eine Zeit des Aufbruchs. Alte Grenzen fielen, neue Freiheiten entstanden, aus einer stillgelegten Kartoffelfabrik wurde mit dem Kulturpark Ost in München eines der bekanntesten Partyareale Europas. Genau in diese Zeit führt die neue ZDF-Miniserie "München Beats" zurück.
Für Tobias Moretti (67) steckt hinter der Geschichte aber weit mehr als nur Nostalgie. Der Österreicher spielt Unternehmer Theo Meinhardt, dessen traditionsreiches Kartoffelwerk "Pfanni" vor dem Aus steht.
Während auf dem ehemaligen Fabrikgelände eine neue Jugend- und Technokultur entsteht, versucht Theo an seiner vertrauten Welt festzuhalten. Dass die Geschichte trotz aller Fiktion einen realen Kern hat, gefällt Moretti besonders.
"Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie der Kulturpark Ost entstanden ist. In diesem ungebremsten Optimismus nach der Wende. Da war die Grundhaltung bei allen: 'Just do it.'"
Gerade dieser Optimismus fehle ihm heute. "Die Grundhaltung, diese Zuversicht für die Zukunft ist heute anders. Es tut mir weh für die junge Generation, die eigentlich etwas anderes braucht als Angst. Man möchte ihnen ein bisschen was von diesem Spirit noch geben."
Für Moretti endet diese Erinnerung deshalb nicht in den 90er-Jahren. Sie führt direkt in die Gegenwart. "Die Sorge ist wohl bei vielen, dass unser System irgendwann einmal implodiert. Und dann wäre Schluss mit lustig."
Zwischen den Welten
Der Unternehmer Theo stemmt sich gegen Veränderungen, bleibt dabei aber weit mehr als der klassische Patriarch. "Selbst wenn Theo wirklich implodiert und fällt und viel verliert, ist er immer noch jemand, der dann einen neuen Anlauf nimmt und sagt: Jetzt mache ich ganz was anderes."
Gerade diese Gegensätze hätten ihn an der Figur gereizt. "Andererseits ist Theo auch ein Mann, der voll im Leben steht. Da treffen verschiedene Welten aufeinander, das macht die Figur nachvollziehbar."
Dass Theo trotz aller Härte den Kontakt zu den Vertragsbauern nie verliert, sei ebenfalls kein Zufall. "Die Bauernwelt war eine Welt, die Theo noch verstanden hat. Die Leute in der Stadt haben eigentlich keinen Bezug mehr zu dem, was auf dem Land passiert. Dabei kommen die Handwerker, die sie brauchen, oft auch vom Land."
Darin erkennt Moretti auch eine Entwicklung unserer Zeit. "Die digitale Welt und die Realität, unsere Lebenswirklichkeit, vermischen sich, sodass viele zwischen beiden nicht mehr unterscheiden können. Eigentlich wären wir, was unseren Bildungsstand betrifft, prädestiniert, dass wir das reflektieren und gegensteuern können. Aber das tun wir nicht."
Künstlerin am Werk
Ein besonderes Lob richtet Moretti an Regisseurin Mimi Kezele (51). "Die gesamte Arbeit hat einfach große Freude gemacht", sagt er. Besonders beeindruckt habe ihn, "mit welcher Genauigkeit Mimi Kezele nicht nur im Vorfeld die Figuren skizziert, gezeichnet hat, sondern wie klar sie dann auch in der Regie war".
Sie habe genau gewusst, wann Schauspieler Freiraum brauchen. "Sie ist eine tolle Regisseurin - eine tolle Künstlerin."
Die vierteilige Miniserie "München Beats" ist seit Freitag im ZDF-Streamingportal abrufbar. Im ZDF läuft sie am 26. und 27. August jeweils ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen.
Titelfoto: ZDF und Holly Fink

