TV-Kommissarin spricht über Rassismus in der Filmbranche: "Die wollten mich nur als Sklavin oder Prostituierte"
Berlin - Sie ist die erste schwarze Kommissarin im deutschen Fernsehen, die ihre eigene Krimireihe als Titelheldin trägt. Doch bis Thelma Buabeng (45) diesen Punkt erreichte, musste sie sich in der deutschen Filmbranche mit Rollenklischees und Rassismus herumschlagen.
In der neuen ZDF-Reihe "Die Polizistin" spielt Buabeng die BKA-Fallanalytikerin Gloria Acheampong. Nach ihrem ersten Fall an der deutsch-dänischen Grenze verschlägt es die Ermittlerin nun ins Frankfurter Bahnhofsviertel.
Doch hinter der erfolgreichen Schauspielkarriere steckt eine Geschichte, die deutlich weniger glamourös ist. Nach ihrer Schauspielausbildung habe sie in Deutschland vor allem eines erlebt: Schubladendenken. "Die wollten mich nur als Sklavin, Prostituierte, Dienstmädchen oder Putzfrau besetzen", erzählt sie gegenüber "teleschau".
Immer wieder seien es kleine Rollen gewesen, die längst überholte Klischees bedienten. Für die Schauspielerin besonders bitter: Selbst in Fantasy- oder Science-Fiction-Produktionen sei häufig nach ihrem Äußeren besetzt worden.
"Ich bin vom Herzen her ein rheinisch-fröhliches Mädchen, eben mit schwarzer Hautfarbe", erklärt die gebürtige Ghanaerin, die im Rheinland aufgewachsen ist und nun in Berlin lebt.
Dass Menschen sie wegen ihrer Hautfarbe anders behandeln könnten, war für Buabeng allerdings schon früh ein Thema. Sie berichtet, dass sie und ihr Bruder in der Grundschule gute bis sehr gute Noten gehabt hätten – trotzdem sei ihnen eine Empfehlung für die Hauptschule gegeben worden.
Die Begründung habe gelautet: "Da sind die ganzen Migranten, da fühlen sich die Kinder wohl."
Von rassistischen Sprüchen zur ZDF-Hauptrolle
Besonders heftig sei es für sie dann im Berufsleben geworden. Eine Frau aus dem Fernsehen habe ihr sogar einmal gesagt: "Wir müssen den Zuschauern schon erklären, wie du aus dem Busch hierhergekommen bist."
Heute steht die 45-Jährige selbst im Mittelpunkt einer großen ZDF-Krimireihe. Regisseur Lars Becker (72) habe sie bewusst abseits klassischer Klischees besetzt.
Für die Schauspielerin ein wichtiges Zeichen. Sie betont aber auch, dass Deutschland beim Thema Diversität noch längst nicht am Ziel sei. Gerade mit Blick auf den aktuellen Rechtsruck beobachte sie eine Entwicklung, die ihr Sorgen bereite. Nach der großen Aufmerksamkeit für "Black Lives Matter" habe sich ihrer Wahrnehmung nach wieder eine gewisse Ermüdung beim Thema Diversity breitgemacht.
Zudem sieht der TV-Star Fortschritte, dass immer mehr schwarze Filmschaffende eigene Projekte auf die Beine stellen würden.
"Die Polizistin und die Todesstille" läuft am 21. September ab 20.15 Uhr im ZDF und ist bereits seit dem 12. September im ZDF-Stream abrufbar.
Titelfoto: Soeren Stache/dpa

