Wegen AfD und Rassismus: Comedy-Star "Conny from the Block" zweifelt an Deutschland
Berlin - Als "Conny from the Block" nimmt Comedienne Tülin Sezgin (38) den deutschen Behörden-Alltag auf die Schippe. Nun schlägt die frühere Beamtin ernstere Töne an.
In einem Interview mit der "taz" spricht die gebürtige Neuköllnerin mit türkischen Wurzeln über Rassismus in Deutschland und darüber, was ein möglicher AfD-Wahlerfolg für sie persönlich bedeuten könnte.
Besonders deutlich wird Sezgin, die sich 2023 aus dem Beamtenjob in der Berliner Verwaltung entlassen ließ, bei der Frage, ob sie Deutschland noch vertraue. In den vergangenen Jahren habe sie aus politischen Gründen Ängste entwickelt. Rassistische Erfahrungen hätten bei ihr Zweifel verstärkt, die sie bereits seit ihrer Schulzeit begleiteten.
Auch der Aufstieg der AfD beschäftigt die Künstlerin. Sezgin hat nach eigenen Angaben inzwischen die doppelte Staatsbürgerschaft beantragt und bereits genehmigt bekommen. Auf ihren türkischen Pass warte sie noch. "Wenn die AfD hier regiert, glaube ich nicht, dass ich hier bleiben kann", befürchtet die Autorin.
Ob sie in diesem Fall tatsächlich in der Türkei leben wolle, wisse sie allerdings selbst nicht. Deutschland empfinde sie trotz allem weiterhin als vergleichsweise sicheren Ort. Sie denkt im selben Atemzug aber auch an Bekannte im öffentlichen Dienst, die sich fragten, was eine AfD-geführte Behörde für ihre eigene Arbeit bedeuten würde.
Ihr Fazit fällt entsprechend ernüchternd aus: "Ich habe keine Angst, aber ich fürchte, ich vertraue Deutschland nicht mehr."
Bekannt als "Conny from the Block": Humor war für Tülin Sezgin lange mehr als Comedy
Rassismus ist für das kreative Multitalent kein abstraktes Thema. Erst vor wenigen Monaten sei ihr bei einem Treffen mit früheren Mitschülern bewusst geworden, wie sehr sie in der Schule abgestempelt worden seien. Jugendliche mit Migrationsgeschichte seien gemeinsam in einer Klasse gelandet, die von anderen als "Ausländerklasse" wahrgenommen wurde.
Humor wurde für sie damals zur Bewältigungsstrategie. Über Witze versuchte sie, Anerkennung zu bekommen und machte teilweise selbst diskriminierende Scherze über ihre Herkunft, bevor andere es tun konnten. So habe sie ihren Nachnamen lange bewusst anders ausgesprochen, um es Deutschen leichter zu machen, obendrein über Alkohol und Zwangsheirat gescherzt.
Später wurde genau dieser Humor zu ihrem Beruf. Während ihrer Zeit im Bezirksamt Neukölln entwickelte die damalige Verwaltungsangestellte die Figur "Conny from the Block" und nahm in den sozialen Medien den Behörden-Alltag aufs Korn. Ihr zweites Buch "Almancı-Mädchen. Wie ich mir Deutschsein beigebracht habe" erschien am 13. August.
Ganz pessimistisch blickt Sezgin trotz ihrer Kritik nicht auf Deutschland. Hoffnung ziehe sie vor allem aus Begegnungen bei ihren Shows: Dort erlebe sie Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe, die miteinander lachen und feiern.
Titelfoto: IMAGO / APress

