Tränen, rote Rose und ein brisanter Auftritt! So bewegend war König Haralds letzter Weg
Oslo - Eine rote Rose, eine tiefe Verneigung – dann flossen die Tränen. Norwegen hat Abschied von König Harald V. (†89) genommen. Zehntausende Menschen säumten die Straßen von Oslo. Doch im Mittelpunkt dieses historischen Tages stand eine Familie, die ihren Ehemann, Vater und Großvater zu Grabe tragen musste.
Der mit der Königsstandarte bedeckte Sarg wurde im Schritttempo vom Schloss zum Osloer Dom gefahren. Dahinter gingen der neue König Haakon VIII. (53), Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), Prinz Sverre Magnus (20) und Prinzessin Märtha Louise (54). Beim Einzug stützte Haakon seine Mutter Sonja (89). Fast 58 Jahre war sie mit Harald verheiratet. Ausgerechnet in diesem Dom hatten sie sich 1968 das Jawort gegeben.
Ganz in Schwarz und mit kurzem Trauerschleier trat Sonja später an den Sarg. Die Witwe legte eine rote Rose nieder, verneigte sich und kämpfte mit den Tränen. Auf ihrem Kranz stand: "Danke für ein gutes Leben." Harald war einen Tag vor dem 58. Hochzeitstag des Paares gestorben.
Auch Königin Mette-Marit ließ sich den Abschied trotz ihrer schweren gesundheitlichen Belastung nicht nehmen. Die 53-Jährige erholt sich noch von ihrer Lungentransplantation und folgte der Prozession deshalb gemeinsam mit Sonja im Auto. Während Ministerpräsident Jonas Gahr Støre (66) Haralds Nähe zu seinem Volk würdigte, konnte Mette-Marit ihre Tränen nicht zurückhalten. Auch Sonja, Ingrid Alexandra und Märtha Louise weinten.
"König Harald hat alles für Norwegen gegeben", sagte Støre. Danach dankte er dem Monarchen für alles und rief dessen Sohn zu: "Lang lebe der König."
Diese zwei Gäste sorgten für Staunen
Märtha Louises Ehemann Durek Verrett war ebenfalls dabei. Noch kurz zuvor war unklar gewesen, ob der 51-Jährige kommen kann. Nach einer Nierentransplantation wurde er erst am Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen.
Für besondere Brisanz sorgte Marius Borg Høiby. Mette-Marits ältester Sohn durfte trotz Hausarrests an der Beerdigung seines Stiefgroßvaters teilnehmen. Der 29-Jährige ging nicht im öffentlichen Trauerzug mit, wurde jedoch vor dem Dom gesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte seinen Antrag auf Ausgang genehmigt.
Høiby wurde im Juni unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, er hat Berufung eingelegt. Derzeit steht er mit elektronischer Fußfessel auf dem Anwesen Skaugum unter Hausarrest.
Haakon, Mette-Marit, Ingrid Alexandra, Sverre Magnus und Marius ließen auf ihren gemeinsamen Kranz nur ein einziges Wort schreiben: "Takk" – Danke.
Wie der norwegische Hof mitteilte, hatten zuvor rund 46.000 Menschen am aufgebahrten Sarg Abschied genommen.
Haralds letzter Weg vereint die Royals
Auch die internationale Trauergemeinde bot ein seltenes Bild. Die royalen Gäste folgten dem Trauerdresscode in Schwarz. Prinz William (44) trug einen dunklen Anzug mit schwarzer Krawatte und vertrat seinen Vater König Charles III. (77). Großbritannien wurde außerdem von Prinzessin Anne (76) repräsentiert.
Das niederländische Königspaar Willem-Alexander (59) und Máxima (55) kam mit Kronprinzessin Amalia (22). Máxima und ihre Tochter erschienen in schlichten schwarzen Kleidern. Aus Schweden reisten König Carl XVI. Gustaf (80), Königin Silvia (82), Kronprinzessin Victoria (49) und Prinz Daniel (52), Carl Philip (47) und Sofia (41) sowie Madeleine (44) und Christopher O’Neill (52) an.
Für einen persönlichen Moment sorgte Victoria. Sie trat im Gottesdienst nach vorn und sprach ein Gebet des heiligen Franz von Assisi. Harald war ihr Patenonkel.
Unter den Gästen waren außerdem die Königspaare aus Dänemark, Spanien, Belgien und Jordanien. Auch Kronprinz Christian (20), Fürst Albert (68) und Fürstin Charlène (48), Luxemburgs Guillaume (44) und Stéphanie (42) sowie Henri (71), Liechtensteins Alois (58) und Sophie (58), Japans Kronprinzenpaar Fumihito (60) und Kiko (59) und Griechenlands Kronprinz Pavlos (59) erwiesen Harald die letzte Ehre.
Hinter den Royals gingen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (48). Eine landesweite Schweigeminute, 21 Kanonenschüsse und der Überflug von Kampfjets begleiteten Haralds letzte Reise. Anschließend wurde er bei einer privaten Zeremonie im königlichen Mausoleum der Festung Akershus beigesetzt.
Nach 35 Jahren auf dem Thron endete damit eine Ära und Norwegen sagte seinem König ein letztes Mal: Takk.
Titelfoto: Bildmontage: dpa, picture alliance/dpa/NTB Scanpix | Stian Lysberg Solum

