Ausgegrenzt und geschlagen: Angebliche Freunde machen Nils das Leben zur Hölle
Deutschland - Nicht nur Juliane hat in ihrer Kindheit und Jugend Mobbing erfahren, auch Nils (34) leidet bis heute darunter, ausgegrenzt und geschlagen worden zu sein. Das Schlimmste: Einige der Täter waren Menschen, die behaupteten, seine Freunde zu sein.
"An meine Jugend denke ich nicht gerne zurück, Gewalt war da im Spiel. Da sind einige Erlebnisse, die immer wieder hochkommen." Als der Finanzbuchhalter in der ZDF-Doku "37 Grad Leben" von den Erfahrungen erzählt, merkt man sofort, wie sehr er teilweise noch immer darunter leidet.
Alles hat in der siebten Klasse begonnen. Nicht nur in der Schule wurde Nils gemobbt, am heftigsten war es im eigenen Freundeskreis. Mal ließ man ihn Teil der Clique sein, mal wurde er ausgegrenzt.
"Das Schlimmste an dieser Zeit war, dass ich gar nicht mehr wusste, wem ich vertrauen kann", sagt er heute. Dennoch war die Sehnsucht nach Anerkennung und Zugehörigkeit groß: "Das war wie eine Droge. Man wurde schlecht behandelt, aber man war immer froh, wenn sie einen wieder mitmachen ließen."
Mit der Zeit kam zur psychischen Gewalt auch körperliche hinzu. Verlor sein Team beim Fußball auf dem Bolzplatz, stellte man Nils als Schuldigen hin. "Dann gab's auch mal eine Faust. Und ich konnte mich nicht wehren. Ich weiß nicht warum, ich konnte es nicht."
Das sprach sich herum, Nils wurde als leichtes Opfer angesehen, mit dem man alles machen konnte. So lauerte ihm einmal eine Gruppe in einem Parkhaus auf und prügelte auf ihn ein. Ein Video davon landete bei YouTube, als der heute 34-Jährige es löschen ließ, kamen die Täter wieder und schlugen erneut zu - ein Teufelskreis.
Nils versteckte blutige Sachen vor seinen Eltern, sprach nicht über das Erlebte
Nils' angebliche Freunde schritten nicht ein, wenn andere ihn drangsalierten. Als die Clique zu einer Party eingeladen war, verfolgten ihn drei Gäste und schlugen ihn zusammen. "Die, mit denen ich da war, haben nur dabeigesessen und zugesehen."
All diese Situationen brannten sich in sein Gedächtnis ein. Seinen Eltern hat er nie davon erzählt, ließ blutverschmierte Klamotten einfach verschwinden, versteckte blaue Flecken. "Mein Vater ist gestorben, ohne das jemals gewusst zu haben", erzählt Nils. "Ich hab mich sehr einsam gefühlt, ich hab alles mit mir allein ausgemacht."
Dass der 34-Jährige heute darüber sprechen kann, kam erst durch ein traumatisches Erlebnis zustande. Eine Bekannte brach vor ein paar Jahren während eines Konzerts neben ihm zusammen, was bei ihm erstmals eine Panikattacke auslöste.
Bei einer blieb es nicht - es folgten Klinikaufenthalte, sogar Suizidgedanken. Bis schließlich eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurde. Diese Klarheit brachte Erleichterung - endlich wusste er, was mit ihm los ist.
Noch immer fällt ihm Vertrauen schwer, noch immer gibt es schlimme Phasen. Doch Nils geht regelmäßig zur Therapie, hat Freunde, die ihm viel bedeuten und umgekehrt - er kämpft für ein normales Leben.
TV-Tipp: Die ganze Folge von "37 Grad Leben: Mobbing - Unsichtbare Narben" seht Ihr am Sonntag um 9.03 Uhr im ZDF oder schon jetzt im Stream in der Mediathek.
Titelfoto: ZDF/Farah M'haimdat

