Häftling Jan hat Strafe abgesessen, sitzt aber weiter im Knast: "Habe die Hälfte meines Lebens hier verplempert"
Offenburg - Während Vorzeigehäftling Berkman aus Niedersachsen vorzeitig entlassen werden kann, gibt es auch das andere Extrem: Menschen, die ihre Strafe eigentlich schon abgesessen haben, aber wegen der Sicherungsverwahrung nicht einfach freigelassen werden können. Einer von ihnen ist Jan.
Weil er wegen Gang-Schlägereien, also Gewalttaten, verurteilt und zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sitzt der 48-Jährige mittlerweile seit weit mehr als 20 Jahren im Gefängnis.
"Ich habe die Hälfte meines Lebens hier verplempert und ich würde schon gern noch ein bisschen was machen, auch ein bisschen die Welt sehen", erzählt Jan in der ZDF-Doku "37 Grad".
Dabei ist er kein Häftling mehr, sondern wird jetzt als Untergebrachter bezeichnet. Bei ihnen geht man immer noch von einer so großen Gefährlichkeit aus, dass sie nicht entlassen werden können.
Jedes Jahr wird die mögliche Entlassung neu geprüft, die Männer absolvieren verschiedene Therapien. "Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber ich weiß auch, dass, wenn ich das hier gemacht habe, das nicht unbedingt heißt, dass ich rauskomme."
Seine Jugend war geprägt von Gewalt durch den Vater, er habe "Schläge bekommen wegen Kleinigkeiten". Als ihm das zu viel wurde, ist er mit 14 Jahren von zu Hause abgehauen.
Halt und Anschluss suchte er in Gangs, in denen er schlussendlich auch kriminell wurde. Die Gewalt zu Hause hat ihn sicher ein Stück weit in seinem Handeln beeinflusst, sagt Jan. Kriminelle Taten zu begehen, hat er aber allein entschieden. "Da gab es keinen Einfluss von daheim."
"37 Grad": Jan will die Zeit nach dem Gefängnis sinnvoll nutzen
Die Einsicht ist da und Jan hat einfach "gar keinen Bock mehr, ich habe die Schnauze voll", gibt er zu. Sollte er doch noch rauskommen, wolle er einfach nur aufs Land in ein kleines Haus ziehen und sich eine Arbeit suchen, die ihm Spaß macht.
Für ihn und seine Frau käme eine Entlassung zu spät, sie ließen sich 2019 im beidseitigen Einverständnis scheiden. Auf Jans Initiative hin, da er einfach nicht weiß, ob er jemals noch einmal wirklich für sie da sein kann.
Zuerst habe sie nicht zustimmen wollen, er konnte sie aber doch überzeugen und beide gingen im Guten auseinander.
Er könne nicht die starke Schulter zum Ausweinen für sie sein. "Ich kann für sie gar nix sein im Endeffekt, ich bin eher eine Belastung, so sehe ich das." Außerhalb der Gefängnismauern gehe das Leben schließlich weiter.
Sollte er es doch noch rausschaffen, wolle er die hoffentlich noch 15 bis 20 guten Jahre sinnvoll nutzen. "Kriminelle Sachen würde ich einfach nicht mehr machen, ich bin damit echt fertig", ist sich der 48-Jährige sicher.
Falls Ihr die Folge "37 Grad: Im Gefängnis - Das Prinzip Hoffnung" verpasst habt, könnt Ihr sie jederzeit in der ZDF-Mediathek anschauen.
Titelfoto: Bildmontage: ZDF/Manfred Karremann

