Weltmeister kann nach seiner Karriere einfach nicht loslassen: "Toxisch und süchtig"
Bremen - Ehrliche Worte! Auch nach dem Ende seiner aktiven Fußball-Karriere im Sommer 2024 hat Christoph Kramer (35) den Absprung nicht geschafft. Noch immer steht der Weltmeister von 2014 im Rampenlicht, auch wenn er damit so seine Probleme hat.
Mit seinem ersten Bundesliga-Spiel für Borussia Mönchengladbach im Okrober, aller spätestens aber mit seinem denkwürdigen Auftritt im WM-Finale 2014 war jedem der Name "Christoph Kramer" ein Begriff. Fortan stand er in der Öffentlichkeit, ob er wollte oder nicht - und das hat sich bis heute nicht geändert.
"Ich habe über mein ganzes Leben festgestellt - und ich bin noch nicht so furchtbar alt - dass diese süße Frucht der Öffentlichkeit, der Bewertung von Außen und des Applaus von Außen, die auch wirklich Spaß macht und die ich überhaupt nicht verurteilen möchte, sehr toxisch ist und trotzdem leider wirklich süchtig macht", gestand Kramer in der Talkshow "3nach9" im Gespräch mit Moderator Giovanni di Lorenzo (67).
Wie sehr, habe man in seinen Augen an den TV-Legenden Thomas Gottschalk (76) und Stefan Raab (59) gesehen. "Die haben den Absprung geschafft in ein friedliches Sein und sind alle zurückgekommen", so Kramer. "Es gibt dafür keine Erklärung, weil sie brauchen kein Geld mehr. Es ist einfach diese Bestätigung von Außen, die irgendwie süchtig macht."
Auch er selbst hat den Absprung noch nicht geschafft. Seit seinem Karriereende ist der 35-Jährige TV-Experte beim ZDF, zudem ist er unter die Buchautoren gegangen und schaffte es damit sogar in die Spiegel-Bestsellerliste.
"3nach9": Christoph Kramer gibt offen zu - "Es hat einfach keinen gejuckt"
Letzteres sorgte bei seinen kickenden Kollegen aber für wenig Anerkennung. "Es wurde leider gar nicht beäugt. Nicht mal misstrauisch, sondern einfach links liegen gelassen", zeigte er sich enttäuscht. "Ich habe immer am Frühstückstisch angefangen: 'Ja, Leute, wieder nicht so viel geschlafen, ganze Nacht wieder geschrieben.'", war er auf der Suche nach Komplimenten, doch sie blieben aus.
"Ich dachte, dass vielleicht mal jemand auf die Idee kommt und mal fragt, wie ist das so. Aber es hat einfach keinen gejuckt."
Aktuell ist das Interesse bei Kramer am runden Leder und der Öffentlichkeit noch groß, doch irgendwann soll Schluss damit sein. "Ich habe sie genossen, ich liebe sie und ich finde das auch alles in Ordnung", erläuterte er. "Aber ich möchte irgendwann einen so richtig glücklichen, ruhigen Frieden mit allem schließen und nicht mehr das Gefühl haben, ich brauche Applaus."
Diesen hat er oft genug während seiner Karriere bekommen. Daher weiß er auch, wie schwer ihm der Schritt fallen wird. "Weil ich mein ganzes Leben, seitdem ich klein bin, von Außen bestätigt wurde. Nach jedem Wochenende schlage ich eine Zeitung auf und lese, wie ich gespielt habe und welche Note das war", beschrieb er sein Verhalten. "Deshalb geht das nicht von jetzt auf gleich."
Ähnlich wie den Körper müsse er auch die Bestätigung abtrainieren. Ganz so einfach ist das wohl aber nicht, entsprechend wird Kramer wohl noch etwas länger vor der Kamera stehen. Schließlich hat er seinen Vertrag beim ZDF erst kürzlich bis 2028 verlängert.
Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

