Frust und Umbruch auf dem ostdeutschen Land: "Von der Landespolitik lässt sich keiner sehen"
Leipzig/Magdeburg - Drei Menschen aus Sachsen-Anhalt haben den Schritt gewagt: Sie haben ihr sicheres Umfeld verlassen und einen beruflichen Neustart gewagt. War das der richtige Weg? Für "Umschau-Extra: Alles auf Zukunft - Sachsen-Anhalt im Umbruch" hat ein MDR-Team die drei wochenlang begleitet.
Philipp Schmidt (33) aus dem Saalekreis kündigte nach der Ausbildung seinen sicheren Job im Tagebau. Er wollte mehr Reisen, mehr Freizeit und weg vom Schichtdienst. Heute ist er Servicetechniker in der Windkraft, arbeitet hoch oben und überall in der Welt.
Ausgerechnet in seiner Heimat Farnstädt sorgen 22 Windräder für ordentlich Diskussionen. Der Bau von weiteren wurde von der Bevölkerung abgewählt und das, obwohl sie der Gemeinde Geld bringen. Vor allem die Optik und der Lärm stören einige Menschen, mit denen das MDR-Team gesprochen hat.
Schmidt hat dazu eine klare Meinung: "Egal, wo der Mensch eingreift, es sieht immer doof aus. Ich kenne das andersrum, wo die Leute auf den Tagebaubagger geguckt haben. Weiß nicht, ob das besser ist", sagt er.
Trotzdem fühlt er sich wohl im kleinen Farnstädt. Um ihn herum wächst aber der Frust auf die Politik.
Für den Bürgermeister Frank Mylich ist das nicht verwunderlich: "Die Landespolitik findet hier in der Fläche nicht statt. Hier lässt sich keiner sehen. Alle fünf Jahre hängen mal drei Plakate aus. Mehr passiert nicht", erklärt er.
Fast die Hälfte aller offenen Arbeitsstellen bleibt unbesetzt
Laut Recherchen der MDR "Umschau" fehlten in Sachsen-Anhalt 2025 rund 14.000 Fachkräfte. 42 Prozent aller offenen Arbeitsstellen wurden nicht besetzt. Das Städtische Klinikum Dessau wird schon seit einigen Jahren mit diesem Problem konfrontiert.
Seit Jahren wirbt es Pflegefachkräfte aus dem Ausland ab, so auch Mikela Toçka (34). Mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern lebte sie in Albanien in einem Haus, hat einen Bachelor- und Masterabschluss und einige Jahre in der Pflege gearbeitet.
Das Städtische Klinikum bot ihr eine sichere Arbeitsstelle, unterstützte sie bei der Integration und Wohnungssuche und ihre Kinder bekamen einen festen Platz in der hauseigenen Kita. Ihr Ehemann beginnt dort eine Ausbildung. Sie fühlt sich wohl in Dessau.
Für Michaela Ewald, die Pflegedirektorin am Klinikum, sind die internationalen Fachkräfte "unverzichtbar geworden". Laut ihr wäre es eine Katastrophe, wenn diese Mitarbeiter wegfallen würden. "Die Folge wäre, dass man gesetzliche Grundlagen nicht mehr erfüllen kann und Stationen schließen müsste", so die Pflegedirektorin.
Um die 100 internationale Fachkräfte arbeiten aktuell in dem Krankenhaus. Laut Ewald sind sie gut ausgebildet, fachlich kompetent und bereichern die Teams.
Den ganzen Film "Umschau-Extra: Alles auf Zukunft - Sachsen-Anhalt im Umbruch" könnt Ihr am Dienstag um 20.15 Uhr im MDR sehen oder vorab in der ARD-Mediathek streamen.
Titelfoto: Bildmontage: MDR

