Barrierefreiheit am Leipziger Hauptbahnhof: Für Blinde "immer eine große Herausforderung"

Leipzig/Chemnitz - Kathrin Gießner (43) ist von Geburt an blind. Die MDR-Sendung "Unsichtbar" begleitete sie in ihrem Alltag - mit allen Licht- und Schattenseiten.

Die Orientierung an der Straßenbahnhaltestelle am Leipziger Hautpbahnhof fällt Kathrin Gießner (43) oftmals schwer.
Die Orientierung an der Straßenbahnhaltestelle am Leipziger Hautpbahnhof fällt Kathrin Gießner (43) oftmals schwer.  © MDR

"Ich glaube, früher Lichtimpulse gesehen zu haben. Jetzt sehe ich nichts mehr", erklärt die 43-Jährige, während sie sich auf den Weg zur Arbeit macht. Und dieser Arbeitsweg geht mit einigen Tücken einher: So wohnt Kathrin in Chemnitz und fährt jeden Tag mit dem Zug nach Leipzig.

"Der Leipziger Hauptbahnhof ist schon immer eine große Herausforderung. (...) An der großen Straßenbahnhaltestelle fühle ich mich absolut verloren", gibt sie zu. Entlang der Gleise im Bahnhof befinden sich Blindenleitsysteme am Boden, an denen sie sich mit ihrem Stock orientieren kann - im Eingangsbereich fehlen diese komplett.

Hier muss Kathrin sich dann gänzlich auf ihr Gehör verlassen und sich davon zur Straße leiten lassen. Im Gegensatz zu der mangelhaften Situation in der Messestadt habe der barrierefreie Nahverkehr in ihrer Heimat Chemnitz bereits große Fortschritte gemacht.

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Um die Barrierefreiheit weiter voranzutreiben, engagiert sie sich im Projekt "ÖPNV für alle" und im "Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen".

In Leipzig arbeitet Kathrin als Korrekturleserin im "Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen". Dort übersetzt sie gedruckte Bücher für Blinde - in Brailleschrift. Diese Arbeit verbessert ihrer Einschätzung nach deutlich die Lebensqualität und Eigenständigkeit von blinden Menschen. So bezeichnet sie es selbst als ihre Leidenschaft, Personen wie ihr das Lesen in Braille zu ermöglichen.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin arbeitet Kathrin täglich vier Stunden lang an den barrierefreien Texten und schafft es so, jeden Tag 60 bis 70 Seiten in den Druck zu geben.

Kathrin spielt leidenschaftlich gerne Goal Ball und singt im Chor

Bodenleitsysteme helfen Menschen mit Sehbehinderungen dabei, sich zu orientieren und fortzubewegen.
Bodenleitsysteme helfen Menschen mit Sehbehinderungen dabei, sich zu orientieren und fortzubewegen.  © Paul Glaser/dpa

Auch Kathrins Freund Lars ist sehbehindert, hat allerdings noch einen Sehrest und hilft ihr so oftmals bei der Orientierung. Beim Einkaufen in ihrem Lieblings-Supermarkt werden die beiden von einer "Einkaufshilfe" - also einer Mitarbeiterin, die für sie die gewünschten Produkte heraussucht und an der Kasse hilft - unterstützt.

Einen Vorteil hat die fehlende Sehkraft beim Einkaufen: "Wir kaufen halt fast immer die gleichen Waren und lassen uns nicht ablenken vom sonstigen Angebot."

Kathrin und Lars freuen sich beide riesig auf die Weihnachtszeit: So können sie die Schwibbögen und blinkenden Dekorationen zwar nicht wirklich sehen, die warme Atmosphäre sei aber dennoch spürbar. "Ich stell mir dann auch eine romantische Stimmung vor", erzählt Kathrin.

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Neben ihrem Job ist die 43-Jährige sehr aktiv, unter anderem beim "Goal Ball", einer Sportart für Menschen mit Sehbehinderung, oder in zwei verschiedenen Chören. Das Singen in der Gruppe liebt sie schon seit ihrer Kindheit. Denn: "Dann ist es völlig egal, wie alt oder behindert jemand ist."

Die Episode "Unter Sehenden" der MDR-Reihe "Unsichtbar" könnt Ihr Euch in der MDR-Mediathek ansehen.

Titelfoto: Montage MDR ; Paul Glaser/dpa

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