Schauspiel-Star übt harsche Kritik: "Die Trumps und Musks dieser Welt sind Rattenfänger"

Berlin - Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder, auch wenn das bedeutet, dafür kriminell zu werden. So geschieht es im neuen ZDF-Film "Fang mich doch!". Jan Krauter (41) spielt darin die Hauptrolle, den Familienvater Georg. Im TAG24-Interview macht er deutlich, warum der Film aktueller denn je ist und welche Probleme er in der heutigen Gesellschaft sieht.

Jan Krauter (41) hat eine klare Meinung zu den aktuellen Zuständen in der Welt.  © imago/Future Image

Das ZDF deklariert den Film als Komödie. Dabei ist er vielmehr eine Gesellschaftskritik.

"Dem würde ich mich anschließen. Und zwar in alle Richtungen. Man kann Georg offensichtlich für sein rücksichtsloses und kriminelles Verhalten kritisieren, gleichzeitig aber auch seine 'Opfer', die viel zu gerne des Kaisers neue Kleider tragen, während sie Vermögen anhäufen, die sie eigentlich nicht brauchen", so der Hauptdarsteller.

Georg schickt seine Tochter Bernadette (Elise Lindner, 10) in einen Kindergarten, der von gut betuchten Eltern geführt wird. "Es ist eindeutig, dass wir uns hier in zwei verschiedenen Klassen bewegen", merkt Krauter an.

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"Diese Kluft wird in unserer Gesellschaft zusehends größer, so habe ich den Eindruck."

Georg und seine Familie seien "durchaus normale Leute, die scheinbar eine normale Bildung genossen haben dürften, sich ausdrücken können - weit entfernt vom prekären Milieu und trotzdem wirken sie neben den Eltern aus der Kita wie die, die nicht in den Club dürfen."

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Mara (Pina Bergemann, 39) und Georg (Krauter) melden ihre Tochter Bernadette (Elise Lindner, 10) in einer elterngeführten Kita an.  © ZDF/Omri Aloni

Eine Situation, mit der sich auch viele in der Realität konfrontiert sehen: "Wenn man in Berlin versucht, eine Wohnung zu finden, die von einem Normalsterblichen zu bezahlen ist, hat man ein ähnliches Gefühl."

Er denke oft daran zurück, dass es vor gar nicht allzu langer Zeit durchaus normal gewesen sei, dass ein mittelständischer Mensch ein Haus bauen konnte, ohne sich in den finanziellen Ruin zu stürzen oder sein Leben der Bank zu verschreiben.

"Ich glaube, diese Entwicklung ist sehr ungesund für unsere Gesellschaft", so der Schauspieler.

Er führt weiter aus: "Ich halte das Gelächter der oberen vier Prozent darüber, dass wir alle darunter bereitwillig um die übrigen Kröten konkurrieren, anstatt geschlossen gegen diese Zustände vorzugehen, auch langsam nicht mehr aus!"

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Kinder leiden besonders unter dem Druck in der Gesellschaft

Sozialer und auch Leistungsdruck würden damit einhergehen. "Für die Kinder tut es mir am meisten leid! Sie werden in eine nahezu erschlossene und dazu noch völlig ausgebeutete Welt gesetzt", sagt der 41-Jährige.

Alle Augen seien erwartungsvoll auf sie gerichtet, "was sie jetzt anfangen mit den Altlasten, die wir ihnen hinterlassen. Sie sollen die Menschheit in das nächste Jahrhundert tragen, während alles teurer und die Inhalte geringer werden."

Und als wäre das nicht schon Bürde genug, hat die nächste Generation "von Kindesbeinen an die Welt zum Vergleich mobil mit sich dabei".

Er spricht damit auf soziale Medien an, die dafür sorgen, dass sich Kinder und Jugendliche zunehmend mit anderen vergleichen.

"Um sich von all dem nicht nachhaltig verunsichern zu lassen, braucht es extrem gefestigte Persönlichkeiten. Ich glaube, eine solche zu entwickeln, ist gar nicht so leicht in all dem geistlosen Konsum, in dem sie aufwachsen."

Das Streben nach Besserem und Größerem prägt unser Handeln. "Ich hoffe, wir bemerken, dass die Trumps und Musks dieser Welt Rattenfänger sind, die uns langfristig ins Verderben locken werden. Auch der Glaube an ein unendliches Wachstum ist ein solcher Rattenfänger in meinen Augen."

Menschen wie Elon Musk (55, l.) und Donald Trump (80) würden die Welt ins Verderben stürzen, so Krauter.  © dpa/AP/Evan Vucci/

Stattdessen sollten wir mehr wertschätzen, was schon da ist. "Durchatmen, Zurücktreten, Handy aus, Sinne an, wahrnehmen, was man hat, überprüfen, ob das, wonach man sich da sehnt, wirklich die eigenen Wünsche sind oder eigentlich die Interessen von jemandem, der Geld daran verdient …", gibt Jan Krauter zu bedenken.

Am heutigen Montagabend um 20.15 Uhr wird der Film "Fang mich doch!" im Zweiten ausgestrahlt. Im ZDF-Streamingportal ist er bereits abrufbar.

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