Vom Eigentümer zum Mieter: Warum eine Hochhaus-Sanierung zum Bewohner-Albtraum wird
Reinfeld - Worauf haben sich die Bewohner da eingelassen? Weil sie als Wohnungseigentümer für eine Sanierung ihres Hochhaus-Komplexes gestimmt haben, sollen die Anwohner in Reinfeld (Schleswig-Holstein) nun selbst dafür zahlen.
Die aktuelle Sendung von "Spiegel TV" zeigt die Folgen dieser dramatischen Entscheidung. Denn die komplette Sanierung der Neuhof-Hochhäuser von 1973 soll insgesamt elf Millionen Euro kosten und diese Summe wird auf die Wohnungsbesitzer umgelegt.
Doch wie kam es dazu? Entschieden wurde das durch den Großteil der Eigentümervertretung, allerdings können sich viele Anwohner die Kosten gar nicht leisten.
Einige Bewohner fühlen sich über den Tisch gezogen: "Wer kann sich denn als Rentner 130.000 Euro ersparen? Wir waren froh, denn die Wohnung war bezahlt", erklärte Eigentümerin Erika Jentzsch gegenüber Spiegel TV.
Andere Anwohner hingegen entschieden sich gegen die auf sie zukommenden Schulden und verkauften ihre Wohnung, zogen aus oder leben nun skurrilerweise in derselben Wohnung zur Miete.
So wie eine ehemalige Eigentümerin, die seit acht Jahren in ihrer Wohnung lebt. Die Frau verkaufte diese schweren Herzens, um nun in derselben Wohnung zur Miete zu wohnen, um so die Sanierungskosten zu umgehen.
Ihre Wohnung ist 78 Quadratmeter groß, im Jahr 2007 kaufte die heute 80-Jährige diese für 60.000 Euro - für die Sanierung hätte sie 110.000 Euro zahlen müssen. Inzwischen bekam sie für ihr Eigentum gerade einmal 40.000 Euro zurück.
Neuhof Reinfeld: Komplette Fassadensanierung laut Gesetz
Doch eigentlich war der Plan ein anderer: Zunächst sollte nur ein Teil des Gebäudes saniert werden, denn durch mangelhafte Pflege habe es Probleme in den Laubengängen und Loggien bzw. Balkonen gegeben. "Wir mussten irgendetwas unternehmen", so Eigentümer-Vertreter Helmut Knolle.
Allerdings stellte sich bei den Reparaturen heraus, dass auch die komplette Fassade erneuert werden muss. So sieht es das sogenannte Gebäudeenergiegesetz vor: Ab einer bestimmten zu modernisierenden Größe müsse eine vollständige energetische Sanierung erfolgen. Diese gesetzliche Vorgabe wurde zum Problem und verursachte letztendlich die hohen Kosten.
Das bedeutete: Die alte Fassade musste komplett abgerissen und dafür eine neue Fassade - die energetisch und den heutigen Brandschutzstandards entspricht - angebracht werden.
Diese Komplettsanierung musste laut Gesetz durchgeführt werden, auch wenn sich das nicht jeder Eigentümer leisten konnte - ein Albtraum für viele Bewohner des Hochhauses.
Titelfoto: Bildmonatge: Hartfil-Steinbrinck Architekten (2)

