Mehr als nur Krach: Das steckt hinter der Peitschen-Tradition im Südwesten
Von Katharina Kausche
Stockach - Meterlang, extrem schnell und von Hand geflochten - Karbatschen gehören in vielen Orten Baden-Württembergs traditionell zur Fastnacht dazu. Was sind das für Peitschen?
Mit jedem Schwung schlägt sie Löcher in die Luft, so beschreibt es Sophie Muffler. Von klein auf hat die 26-Jährige das Schnellen gelernt. Seit ein paar Jahren fertigt sie die bis zu 4,50 Meter langen Karbatschen sogar selbst.
Für jede Fastnacht stellt die Seilerin zwischen 200 und 250 der kunstvoll gefertigten Peitschen her - gemeinsam mit ihrem Vater Bernhard Muffler. Es ist ein mehr als hundert Jahre altes Handwerk, das nur noch wenige beherrschen.
Aus der ganzen Region kaufen Narren Karbatschen bei Mufflers oder lassen sie reparieren. Mehrere tausend Menschen schnellen etwa im schwäbisch-alemannischen Raum, schätzt Andreas Reutter von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN).
Viele davon sind aus der Gegend rund um Pfullendorf, Markdorf oder Stockach und allein etwa 1000 aus Überlingen am Bodensee. Kurz vor der Hochsaison ist bei Mufflers fast jede Karbatsche schon verkauft, bevor sie fertig ist.
Woher kommt der Brauch?
Die Karbatsche ist vor allem ein Lärminstrument, um Platz für die Narren zu machen, sagt Reutter. In einigen Zünften heißt es dagegen, der Knall soll den Winter vertreiben. Daneben gibt es noch lokale Erzählungen.
Ihre Ursprünge hätte die Peitsche in Südosteuropa, wie Reutter erzählt. Ähnliche Peitschen werden heute noch als Hirten- und Rinderpeitsche in Ungarn und Rumänien genutzt. Wann und wie die Peitsche konkret an den Bodensee kam, wird unterschiedlich erklärt.
In Überlingen beispielsweise gehört die Karbatsche wahrscheinlich seit dem 18. Jahrhundert zum Hänsele dazu. Aus der Zeit stammt laut der Zunft die erste überlieferte Erwähnung.
In Pfullendorf dagegen gibt es eine Sage, die das Schnellen vom 30-jährigen Schwedenkrieg ableitet. So hätten Fuhrmänner mit dem Peitschenknall Soldaten vertrieben, sagt Oliver Müller von der Schnellergilde Pfullendorf.
Titelfoto: Bildmontage: Silas Stein/dpa, Katharina Kausche/dpa

