Soziale Rezepte: Mittagessen vom Arzt verschreiben lassen?
Von Marco Krefting
Karlsruhe - Soziale Teilhabe auf Rezept: Um einsamen, alten Menschen in Armut zu helfen, wird in Karlsruhe ein neues Konzept getestet: Zwei Hausarztpraxen können Patienten "soziale Rezepte" verschreiben.
Damit können diese bei der Kulturküche Karlsruhe und dem AWO-Wohncafé im Stadtteil Rintheim ein warmes, gesundes Mittagessen bekommen. Und eine fachkundige Sozial- und Teilhabeberatung: eine Ansprechperson, die zuhört und entweder zu konkreten Beratungsstellen etwa für Wohngeldanträge oder zu niedrigschwelligen sozialen Angeboten in Wohnortnähe vermitteln kann.
Das Pilotprojekt geht auf gleich mehrere gesellschaftliche Probleme ein: Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Armut bedroht.
"Ihre Lebenssituation ist häufig gekennzeichnet durch einen schlechteren Gesundheits- und Ernährungsstatus, eine ungünstigere Wohnsituation und eine geringere gesellschaftliche Teilhabe", heißt es beim Max Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel.
Bei älteren Menschen komme erschwerend hinzu, dass sie kaum Möglichkeiten hätten, aus der Armut herauszukommen. "Denn unzureichende Altersvorsorge kann nicht rückgängig gemacht werden und körperliche Einschränkungen führen zu verringerter Fähigkeit eines Hinzuverdienstes." Daher habe die Verbesserung ihrer Situation eine große gesellschaftliche Relevanz.
Kleinere Rente sorgt für mehr Einsamkeit
Im Forschungsprojekt "Ernährungs- und Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren in Armut" entstand den Angaben nach die Idee zu dem Versuch mit den "sozialen Rezepten".
Die zunehmende Einsamkeit sei oft mit einer kleinen Rente verbunden, weshalb viele Menschen aufgrund des Sparzwangs jahrelang sozial zurückgezogen lebten, teilte das MRI mit.
Hausarztpraxen seien oft die einzigen Anlaufstellen, die die Betroffenen regelmäßig aufsuchen.
Titelfoto: Daniel Karmann/dpa
