Klartext von CDU-Spitzenkandidat: "Meine Partei wird mit der AfD niemals kooperieren"

Stuttgart - Baden-Württemberg wählt am 8. März 2026. Wer wird Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne)? Vor laufender TV-Kamera stellten sich Cem Özdemir (60, Grüne), Manuel Hagel (37, CDU) und Markus Frohnmaier (34, AfD) am Dienstag im BW-Triell - "Die Debatte: Wer überzeugt Baden-Württemberg?" den Fragen der SWR-Journalisten. Während zwischen den bisher regierenden Parteien Grüne und CDU viele Gemeinsamkeiten deutlich wurden, zeigte sich der AfD-Kandidat angriffslustig in beide Richtungen. Einer Koalition mit der AfD erteilt Hagel eine klare Absage: "Meine christdemokratische Partei wird mit der AfD in Deutschland niemals kooperieren oder koalieren".

Cem Özdemir (60, Grüne), Manuel Hagel (37, CDU) und Markus Frohnmaier (34, AfD, v.l.n.r.) standen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg Rede und Antwort.
Cem Özdemir (60, Grüne), Manuel Hagel (37, CDU) und Markus Frohnmaier (34, AfD, v.l.n.r.) standen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg Rede und Antwort.  © Bernd Weißbrod/dpa

Mit wem die Parteien nach der Wahl in Baden-Württemberg regieren wollen

22.10 Uhr: "Mit wem würden Sie regieren, wenn es nicht allein geht?", lautet die Abschlussfrage an das Politiker-Trio.

Einzig Özdemir nennt die Partei beim Namen, sagt, dass Grüne und CDU miteinander regieren würden. Dass dies der Wähler entscheiden müsse, antworten sinngemäß sowohl Hagel als auch Frohnmaier.

22.02 Uhr: Ganz am Ende des Triells dürfen die Spitzenkandidaten einem der weiteren Kandidaten noch kurz auf den Zahn fühlen. Hagel möchte von Frohnmaier wissen, ob Wladimir Putin angesichts des Ukraine-Kriegs ein Kriegsverbrecher sei. Özdemir wendet sich an Hagel, fragt, was er an den Grünen in Baden-Württemberg schätzt. "Da hatten die Grünen auch ihren Anteil dran", wird diplomatisch geantwortet. Frohnmaier möchte von Özdemir eine Äußerung zu einem fragwürdigen Interview von Manuel Hagel über einen Schulbesuch unter lauter Mädchen hören. "Der Satz war Mist. Meine Frau hat mir an dem Abend auch gleich den Kopf gewaschen", gibt sich Hagel reumütig, nachdem Özdemir in ganz ähnlicher Form dies beurteilt hat.

21.57 Uhr: Zum Schluss geht es um das Thema Social-Media-Verbot für Kinder. Özdemir schlägt vor, die Handys von Schulbeginn bis -Ende abzugeben. Hagel will sowohl Kinder als Erwachsene in Sachen Medien schulen, glaubt, dass im Falle eines Verbots eine Verifizierung zu leicht umgangen werden könnte. "Wir brauchen keinen Staat als Supernanny", holt AfD-Kandidat Frohnmaier etwas weiter aus, will aber darauf hinaus, dass der Staat nicht die Verbotsinstanz sei.

21.48 Uhr: Die Moderatoren verweisen noch einmal auf Özdemirs knappe Redezeit: "Entscheidend ist nicht, wo man herkommt, sondern, wo man hinmöchte", verweist der Ex-Minister für Ernährung und Landwirtschaft auf Inhalte. "Wir müssen bauen, bauen, bauen", stellt Hagel klar, dass Investitionen in Baden-Württemberg gefördert werden müssten. Frohnmaier, der bisher die größten Redeanteile hatte, stellt fest es ein "Ausgabenproblem" gebe und eher Verordnungen abgebaut werden müsse.

21.40 Uhr: Weiter geht's mit den Themen: Wohnen, Bildung und Gesundheit. Tausende Hausärzte fehlen im Ländle. Was ist das Rezept dagegen? "Mehr Studienplätze", nennt Hagel als Lösung. An eine Senkung des NCs im ländlichen Raum denkt auch Frohnmaier, während Özdemir auf dezentrale Arzt-Zentren und Versorgungszentren auch für den Notfall verweist.

21.34 Uhr: Hagel geht noch einmal auf das Thema Videoüberwachung ein, die KI-gesteuert sein müsse.

"Mit dieser Änderung des Polizeirechts würden wir unsere öffentlichen Worte wieder zu sicheren Orten machen", findet der CDU-Spitzenkandidat.

21.31 Uhr: Gefühlt werden jetzt keine neuen Argumente zum Thema Migration mehr ausgetauscht.

Özdemir verweist darauf, dass er als Person beim AfD-Parteitag mit den Worten "Abschieben, abschieben", beschimpft worden sei. "Ansonsten muss ich mich auch nach Rumänien abschieben", verweist der AfD-Spitzenkandidat darauf, dass er ebenfalls im Ausland geboren sei. "Mir gefällt's hier in Baden-Württemberg", merkt er süffisant an.

21.28 Uhr: "Arbeit ist das beste Mittel zur Integration", stellt Manuel Hagel fest und schließt sich dabei dem integrativen Ansatz der Grünen an.

Der CDU-Mann betont, dass es Teil der Würde sei sich von Arbeit etwas leisten zu können. Stattdessen will Frohnmaier lieber die Grenzen sichern. "Integration ist eine Bringschuld", so der AfD-Politiker, der sich auch am Thema Videoüberwachung bei den Christdemokraten stört.

21.15 Uhr: Die bisher geringsten Redeanteile hat Cem Özdemir.

"Weil ich nicht dazwischenrede", begründet der Grünen-Politiker. Er verweist auf seine Eltern, die in das Land gekommen seien als Gastarbeiter und Jobs gemacht hätten, die keiner machen wollte. "Wenn wir das hinbekommen wollen", dann müssen wir den Weg gehen, den wir unter Winfried Kretschmann gehen", stimmt Özdemir versöhnliche Töne an. "Sie sind eine der größten Bremsen illegaler Rückführung", wird er daraufhin von Frohnmaier angeklagt.

21.14 Uhr: Natürlich kann und will AfD-Kandidat Frohnmaier das so nicht stehen lassen. Er findet, dass die CDU bei illegaler Migration nicht genug gemacht habe. Anschließend holt er zum verbalen Gegenschlag aus. Wir müssen uns nicht wünschen, dass es Deutschland schlecht geht, Sie sorgen dafür. Da müssen sie nur mal schauen, wie viele Unternehmen pleitegehen, wie viele Menschen das Land verlassen", erwidert er auf die CDU-Attacke.

Was sagen die Triell-Kandidaten zum Thema Migration?

21.04 Uhr: "Im Moment fliegen sie mehr Menschen aus Afghanistan ein, statt aus", so der AfD-Politiker. "Unser Weg in Baden-Württemberg ist Herz und Härte", entgegnet Hagel und holt etwas weiter aus. "Sie wollen raus der EU, sie wollen raus aus dem Euro" wirft der CDU-Mann der Alternative für Deutschland vor, findet solche Ideen "Wahnsinn" und fürchtet, dass dadurch noch deutlich mehr Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Dass die AfD Menschen mit Behinderung ausgrenzen wolle, kann er nicht nachvollziehen, auch nicht, dass dieser die CDU klein machen wolle. "Meine christdemokratische Partei wird mit der AfD in Deutschland niemals kooperieren oder koalieren", stellt er unmissverständlich klar. "Wir werden unser Land vor ihnen beschützen", schließt er seine Rede entschlossen ab.

20.59 Uhr: Schnellfragerunde zum Thema: "Schieben wir immer die richtigen ab?" "Eindeutig, nein", findet Özdemir und gibt eine kurze Erklärung. Frohnmaier findet, dass irreguläre Migration beendet werden muss. Auch ein Einser-Abschluss schütze nicht vor Abschiebung, wenn jemand keinen Pass habe. "Wir brauchen Migration in den Arbeitsmarkt, nicht in die Sozialsysteme", entgegnet Hagel. Sowohl er als auch Frohnmaier überschreiten die 30-Sekunden-Zeit.

20.48 Uhr: "Wir haben uns vielleicht ein wenig zu sehr auf Erfolgen ausgeruht", gibt sich Özdemir selbstkritisch.

Er verweist auf viele Forschungsfelder, in denen Baden-Württemberg hervorragend sein soll. "Und wie" will die Moderatorin wissen? Mithilfe des "Strategie-Dialogs", den MP Kretschmann möglich gemacht habe. Baden-Württemberg sei führend bei den Themen Robotik oder Künstliche Intelligenz, spiele nicht "Bundesliga" sondern "Champions League" und verweist auf die hervorragende Ladestruktur. Während dieser Ausführungen muss Frohnmaier die ganze Zeit grinsen.

20.46 Uhr: "Wir werden den Strukturwandel schaffen", gibt sich der Hagel positiv gestimmt. Skeptisch antwortet daraufhin Frohnmaier, dass die A-Klasse hier und nicht in Ungarn produziert werden müsse.

SWR-Triell widmet sich dem Thema Jobs

20.43 Uhr: Die Moderatoren greifen ein, lenken die Diskussion auf das Thema Jobs. "Wer einen guten Industriejob bei uns hat, kann sich das teure Leben in Baden-Württemberg leisten", stellt Moderator Weber klar. Er zeigt jedoch auch deutlich auf, dass andere Berufe längst nicht so lukrative Gehälter haben.

20.39 Uhr: "Wo in Baden-Württemberg wollen Sie denn ein Kraftwerk bauen", kontert Hagel (CDU) die Kritik vonseiten der AfD. Noch während seiner Ausführung haut der Frohnmaier auf den Buzzer, macht deutlich, dass andere Länder wie Japan und Co. durchaus in der Lage seien, auf die Schnelle ein Kraftwerk hinzuzimmern.

20.36 Uhr: Frohnmaier geht auf den Grünen-Politiker los. "Wir haben das jetzt im Wahlkampf schon gesehen? Da plakatieren sie nicht mal mehr ihre eigene Partei, da plakatieren sie nur noch ihren Namen." Er findet, dass sich Özdemir nicht aus der Verantwortung schleichen könne. Auch die CDU, die 10 Jahre lang das Wirtschaftsministerium geführt habe, bekommt Ihr Fett weg. "Wir sind die Geisterfahrer im europäischen Vergleich", betont der AfD-Mann in Bezug auf Energie-Fragen.

20.33 Uhr: Energiekosten, Bürokratiekosten, Steuerkosten nennt der CDU-Spitzenkandidat Hagel die Hauptprobleme, vor denen Baden-Württemberg stehe. "Da können wir richtig was machen", will er den Fokus auf das Thema Bürokratieabbau legen.

20.30 Uhr: Özdemir hat gebuzzert.

"Ich gehöre der Landesregierung nicht an", stellt der Grünen-Kandidat klar, verweist auf seine Erfolge als Bundesminister. "Wir haben eine Verantwortung, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Kindeskinder."

20.28 Uhr: "Sie beiden regieren", gibt der AfD-Kandidat den beiden regierenden Parteien eine Mitschuld an der wirtschaftlichen Misere.

Als Problemfelder nennt er die Strompreise, die abgeschafften Kernkraftwerke und das Verbrenner-Aus.

20.27 Uhr: Die Verwaltungskultur möchte Cem Özdemir vorrangig ändern. In einigen Punkten schließt sich der Grünen-Politiker sogar dem CDU-Mann an.

20.25 Uhr: Hagel will die Sorgen der Menschen ernst nehmen. "Wir wollen um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen", stellt der CDU-Mann klar.

20.24 Uhr: "Welches landespolitische Konzept haben sie?", lautet die erste Frage an die Kandidaten.

20.22 Uhr: Das Format erinnert an eine Quizshow. Eingesetzt werden kann ein Buzzer, auch Telefon-Joker sollen eine Rolle im Laufe der 90 Minuten spielen.

Wer sind die Moderatoren des BW-Triells?

20.21 Uhr: Moderiert wird das TV-Triell von Hendrike Brenninkmeyer (52) und Florian Weber (49) im SWR Fernsehen.

20.18 Uhr: Cem Özdemir gibt Markus Frohnmaier gleich zu Beginn Kontra.

Der Grünen-Politiker erinnert an seine Zeit als Handball-Torwart, der sich hier gegen Angriffe von Seiten der AfD wehren müsse.

20.17 Uhr: CDU-Kandidat Hagel hält nichts vom gegenseitigen "Abwatschen".

Baden-Württemberg gehört an die Spitze, macht der Unions-Politiker deutlich, will den Fokus auf Wirtschaft und Bildung legen.

20.16: AfD-Kandidat Frohnmaier macht den Anfang, spricht vom 9-Punkte-Programm der Alternative für Deutschland.

"Wir müssen hier viel tun", macht der Politiker deutlich, findet, dass die Probleme "hausgemacht" seien.

20.15 Uhr: Die Sendung beginnt: Die Moderatoren machen deutlich, dass alle Kandidaten ungefähr gleiche Redezeit bekommen sollen. Es soll aber auch vorwiegend um das Thema Landespolitik gehen.

20.13 Uhr: Amtsinhaber Kretschmann schätzt die Einladung des AfD-Kandidaten als falsch ein.

"Das finde ich nicht richtig", so der Grünen-Politiker einige Stunden vor dem politischen Kräftemessen im Fernsehen.

Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

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