Heimliche Helden des Amoklaufs in Bayern: "Mädchen wäre verblutet, wenn sie das nicht gemacht hätten"

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Von Christoph Trost, Sabine Dobel und Benedikt Zinsmeister

Schongau - Ein Ex-Schüler sticht am Welfen-Gymnasium im oberbayerischen Schongau zwei Mädchen nieder. Andere Schüler eilen herbei, reißen sich T-Shirts vom Leib, legen Druckverbände an - und retten so wahrscheinlich einem der 13-jährigen Mädchen das Leben.

Ein Polizist mit Hund bewacht einen Zugang zum Welfen-Gymnasium.
Ein Polizist mit Hund bewacht einen Zugang zum Welfen-Gymnasium.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Polizei und Lehrkräfte überwältigen den 16-jährigen mutmaßlichen Angreifer, der neben einem Messer auch eine Pistole dabeihat.

Dramatische Szenen haben sich an der Schule zugetragen - die Rückkehr zur Normalität wird dauern. Das Geschehene wirkt nach in dem 12.000-Einwohner-Ort und vor allem in der Schule mit ihren 800 Schülerinnen und Schülern und 80 Lehrkräften.

Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (43, Freie Wähler) bedankte sich bei einem Besuch einen Tag nach dem Amoklauf bei den zwei Lehrkräften, die den mutmaßlichen Täter überwältigten, und bei den Schülerinnen und Schülern, die den beiden schwer verletzen Mädchen sofort zu Hilfe eilten.

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"Eines der Mädchen wäre sehr wahrscheinlich verblutet, wenn sie das nicht gemacht hätten. Also die haben ihr wahrscheinlich das Leben gerettet", sagte Stolz der Deutschen Presse-Agentur. "Das sind echte Helden für mich."

An der Schule steht am Tag danach die Aufarbeitung im Vordergrund. Kriseninterventionsteams helfen Schülern und Lehrern, das zu verarbeiten, was am Mittwoch an ihrer Schule geschehen ist.

Einige der Schüler erlebten hautnah, wie der ehemalige Mitschüler gegen 12.50 Uhr das Schulgelände betrat, wie er laut Polizei einen Schuss aus einer Pistole abgab und dann, als die Waffe versagte, mit einem Messer auf die beiden 13-Jährigen losging.

Augenzeuge berichtet: "Mitschüler von mir haben ihre Hemden und Shirts von sich gerissen"

Schüler Levi Lachmann berichtete, wie Mitschüler den beiden verletzten Mädchen halfen.
Schüler Levi Lachmann berichtete, wie Mitschüler den beiden verletzten Mädchen halfen.  © Jason Tschepljakow/dpa

Mehrere Schülerinnen und Schüler eilten sofort zu Hilfe und starteten geistesgegenwärtig die Erstversorgung noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte.

"Die Ersten haben gleich Rettungskräfte und Polizei angerufen. Mitschüler von mir, ich hab auch gleich natürlich mitgeholfen, haben ihre Hemden und Shirts von sich gerissen, haben sie als Druckverbände benutzt, um die Blutungen zu stillen. Alles mit voller Kraft draufgedrückt", berichtete der 19-jährige Levi Lachmann.

Er und andere Schüler hätten dann Sanitätssets aus ihren Autos geholt und damit weiter versucht, die Blutungen bestmöglich zu stoppen - um das Leben der Mitschülerinnen zu retten. Dann hätten sie sterile Kompressen aus dem Sanitätsraum geholt, um die Wunden zu versorgen, wie sie es bei der Ausbildung als Ersthelfer gelernt hätten. Auch Lehrer hätten geholfen.

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Lehrkräfte halfen auch, den 16-Jährigen zu überwältigen. "Auch dem couragierten Eingreifen von Lehrern ist zu verdanken, dass er so schnell festgenommen werden konnte", sagte Polizeipressesprecher Stefan Sonntag.

Amoklauf an Welfen-Gymnasium in Schongau: "Wir standen alle unter Adrenalin"

Zahlreiche schwerbewaffnete Spezialkräfte der Polizei waren im Einsatz.
Zahlreiche schwerbewaffnete Spezialkräfte der Polizei waren im Einsatz.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der 19-jährige Ersthelfer Lachmann sagte, er sei erleichtert gewesen, als die Polizei eintraf und klar war, dass der Täter gestellt worden sei. Angst hätten er und die anderen aber zunächst nicht gehabt. "Wir standen alle unter Adrenalin." Erst später sei langsam das Bewusstsein für das gekommen, was geschehen sei.

"Ich weiß nicht, ob ich das wirklich schon an mich herangelassen habe, was da passiert ist. Ich denke, das kommt mit der Zeit." Er spreche viel mit seiner Familie, aber auch mit Lehrern und dem Kriseninterventionsteam. Aber: "Gestern, der Tag, der bleibt unvergesslich."

Auf die Frage, wie die Schüler auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen seien, sagte Lachmann, die Schülerschaft sei grundsätzlich sensibilisiert worden, aber: "Für solche Notfälle kann man nicht vorbereitet sein. Das ist ein Extremfall."

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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