Berlin/Leipzig - Nach scharfer Kritik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) die geplante Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises in Leipzig abgesagt.
Zuvor war eine Debatte darüber entbrannt, dass drei Buchhandlungen von der Liste der der Jury-Empfehlungen gestrichen worden waren.
Diese drohe den Sinn der Veranstaltung am 19. März "zunehmend zu überlagern", erklärte ein Sprecher Weimers am Dienstag in Berlin.
Eine "angemessene Würdigung" der Preisträgerinnen und Preisträger scheine "kaum noch möglich", argumentierte demnach der parteilose Politiker.
Mehreren Medienberichten zufolge hatte Weimer die Buchläden "Zur schwankenden Weltkugel" (Berlin), "The Golden Shop" (Bremen) und "Rote Straße" (Göttingen) von der Liste der ausgezeichneten Geschäfte entfernen lassen. Als Begründung verwies sein Haus auf "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse". Details dazu wurden jedoch nicht öffentlich gemacht.
Die Entscheidung hatte in der Buchbranche und in der Kulturpolitik scharfe Kritik ausgelöst. Der Grünen-Kulturpolitiker und Vorsitzender des Kulturausschusses im Bundestag, Sven Lehmann (46), sprach von "politischer Willkür" und warnte vor einem Klima der Vorzensur. Die drei Buchhandlungen waren zuvor von einer unabhängigen Jury für den Preis ausgewählt worden.
PEN Deutschland schaltet sich in Debatte ein
Auch die Autorenvereinigung PEN Deutschland äußerte sich besorgt. Die Entscheidung beschädige nicht nur den Preis, sondern auch das Ansehen der Branche und der politischen Entscheidungsträger, teilte die Organisation mit.
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird jährlich an rund 100 besonders engagierte kleine und unabhängige Buchhandlungen vergeben. Die Auszeichnung ist mit Preisgeldern zwischen 7000 und 25.000 Euro dotiert.
Die betroffenen Buchhandlungen kündigten an, gegen ihren Ausschluss juristisch vorzugehen.