Trotz Krise: Energieintensive Forschung soll in Berlin weitergehen

Berlin - In Zeiten der Energiekrise muss der größte Teilchenbeschleuniger der Welt am Cern in Genf Strom sparen. Ist das auch für eine energieintensive Anlage am Helmholtz-Zentrum in Berlin eine Option?

Ein Blick auf den Elektronenspeicherring "Bessy II" in Adlershof, der trotz Energiekrise in diesem Winter unterbrechungsfrei betrieben werden soll.
Ein Blick auf den Elektronenspeicherring "Bessy II" in Adlershof, der trotz Energiekrise in diesem Winter unterbrechungsfrei betrieben werden soll.  © Jens Kalaene/dpa

Wohl eher nicht, denn trotz hohen Energieverbrauchs plant das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) einen unterbrechungsfreien Betrieb der Röntgenquelle Bessy II in diesem Winter.

Die Forschung daran sei "die Grundlage für die sichere, nachhaltige Energieversorgung der Zukunft und muss deshalb weitergehen", teilte eine HZB-Sprecherin auf dpa-Anfrage mit.

"Behördliche Anordnungen werden wir natürlich umsetzen." Der Elektronenspeicherring in Adlershof benötigt demnach samt zugehöriger Einrichtungen 30 Gigawattstunden Strom pro Jahr, was dem Verbrauch von rund 7500 Vier-Personen-Haushalten entspreche.

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Bessy II erzeugt nach HZB-Angaben helles Licht für die Energie- und Materialforschung. Die Sprecherin betonte die wichtige Rolle der 1998 in Betrieb genommenen Anlage bei der Erforschung neuer Materialien und neuer Konzepte, die in eine Energieversorgung ohne fossile Quellen führen sollen.

Forschungsschwerpunkte seien Konzepte für effizientere Solarzellen, verbesserte Batteriematerialien und neue Katalysatoren für die Erzeugung und Verarbeitung von grünem Wasserstoff.

Helmholtz-Zentrum in Berlin will bis 2035 treibhausgasneutral sein

Bessy II erzeugt extrem brillantes Röntgenlicht, das für die Energie- und Materialforschung genutzt wird.
Bessy II erzeugt extrem brillantes Röntgenlicht, das für die Energie- und Materialforschung genutzt wird.  © Jens Kalaene/dpa

Die Anlage ist nach HZB-Angaben mit dem Schwerpunkt auf weicher Röntgenstrahlung einzigartig in Deutschland. Pro Jahr gebe es im Schnitt 2700 Besuche von Gastforschern.

Wegen langfristiger Lieferverträge für die elektrische Versorgung des Zentrums sei für 2022 und 2023 "bisher ein moderater Anstieg für die Stromkosten zu verzeichnen", erklärte die Forschungseinrichtung.

Man wolle versuchen, diesen und die höheren Wärmeversorgungskosten mit Energiesparmaßnahmen teilweise zu kompensieren. Auch ein geplantes Unterstützungspaket von Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (54, FDP) wird demnach als hilfreich gewertet.

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Anfang November hatte die FDP-Politikerin zusätzliche Unterstützung für energieintensive Forschung angekündigt.

Das HZB hat es sich nach eigenen Angaben zum Ziel gemacht, bis 2035 treibhausgasneutral zu werden. Schritt für Schritt sollen Maßnahmen umgesetzt werden.

Am Schweizer Cern muss Strom gespart werden: Betriebszeit um sechs Wochen verkürzt

Die Betriebszeit des größten Teilchenbeschleunigers der Welt am Cern in Genf wird wegen der Energiekrise um 20 Prozent gekürzt. (Archivfoto)
Die Betriebszeit des größten Teilchenbeschleunigers der Welt am Cern in Genf wird wegen der Energiekrise um 20 Prozent gekürzt. (Archivfoto)  © Maximilien Brice/CERN/dpa

Um nur Beispiele zu nennen: Bereits seit 2020 sei die Stromversorgung komplett auf Ökostrom umgestellt worden. Und als Konsequenz aus der Energiekrise habe man unter anderem Anträge zum Installieren von Photovoltaik-Modulen auf den Gebäuden gestellt.

Für Bessy II werden laut HZB auch fortlaufend Energiesparmaßnahmen "eruiert, umgesetzt und geplant". Dabei gewinne man Erkenntnisse für die geplante Nachfolgequelle Bessy III, die Anfang der 2030er-Jahre in Betrieb gehen soll.

"Photovoltaik-Module zur Energie-Eigenversorgung sowie effiziente Betriebs- und Beschleunigertechnik sind nur einige der vielen Aspekte, die bei der Planung berücksichtigt werden", teilte die Sprecherin mit. Bundesweit gibt es eine Reihe weiterer Forschungsstandorte, die als energieintensiv gelten.

Hingegen heißt es in der Schweiz in der Energiekrise für den größten Teilchenbeschleuniger der Welt: Strom sparen. Darum hat der französische Stromanbieter EDF die Europäische Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf gebeten.

Die Betriebszeit wird bis Ende 2023 um sechs Wochen oder 20 Prozent gekürzt. Die Anlage verbraucht in einem vollen Betriebsjahr allerdings auch deutlich mehr als Bessy II: so viel Strom wie die Haushalte einer 300.000-Einwohner-Stadt.

Titelfoto: Jens Kalaene/dpa

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