Berlin - Sie will Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. Doch ausgerechnet Elif Eralp (45, Die Linke) soll sich vor Personen aus dem propalästinensischen Milieu mit mutmaßlichen Verbindungen zur Hamas fürchten. Das geht aus internen Anmerkungen zu einem Interview hervor, die dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegen.
Wie der "Spiegel" berichtet, schrieb Eralp während der Bearbeitung eines autorisierten Interviewtexts, dass sie und ihr Mann Angst vor bestimmten Personen hätten. Deshalb wolle sie keine konkreten Namen nennen. "Ich kann mich und meine Familie für den Spiegel nicht in Gefahr bringen", soll die Politikerin in dem Dokument festgehalten haben.
Konkret ging es um Ibrahim Ibrahim, einen bekannten Aktivisten der propalästinensischen Szene in Berlin. Er war im September bei einer Wahlparty der Neuköllner Linken erschienen. Zuvor soll er den inzwischen getöteten Hamas-Anführer Yahya Sinwar, einen der Planer des Terrorangriffs auf Israel vom 7. Oktober 2023, als "Märtyrerhelden" bezeichnet haben.
Eralp wurde im Interview mit diesen Aussagen konfrontiert. Laut dem Bericht bestätigte sie zunächst den Bezug zu Ibrahim. In der späteren Textfassung ließ sie die entsprechende Frage und ihre Antwort jedoch streichen.
Dabei verwies Eralp demnach auf eine frühere Empfehlung des Landeskriminalamts (LKA), im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität keine Namen öffentlich zu nennen. Nun gehe es um Personen mit Kontakten zur Hamas.
Sicherheitsbedenken vor dem Bürgermeisteramt
Eralps Sprecher erklärte gegenüber dem "Spiegel", die Politikerin sei seit Monaten Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Sicherheitsbehörden rieten deshalb dazu, politische Probleme nicht an einzelnen Personen festzumachen, insbesondere bei Berichten über mögliche Verbindungen zu kriminellen oder terroristischen Organisationen.
Der Fall wirft Fragen über den Umgang der Berliner Linken mit umstrittenen Akteuren aus der propalästinensischen Bewegung auf.
Während Eralp sich von Antisemitismus distanziert und das Existenzrecht Israels bekräftigt, pflegen Teile ihrer Partei Kontakte zu Organisationen und Aktivisten, die wegen ihrer Positionen in der Kritik stehen.
Wie Eralp mit den Sicherheitsproblemen Berlins umgehen will, dürfte für ihre Kandidatur eine wichtige Rolle spielen.