"Ku'damm"-Schöpferin warnt vor Erstarken der AfD: "Noch sind wir mehr"

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Berlin - Die Drehbuch- und Romanautorin Annette Hess (59) sieht angesichts des Erstarkens der AfD Vorzeichen von Folgen für die Demokratie und den Umgang mit der NS-Vergangenheit.

Annette Hess (59, r.) wurde insbesondere mit historischen Stoffen bekannt. "Weissensee" erzählt vom Leben einer Familie in der DDR, die "Ku'damm"-Reihe vom gesellschaftlichen Wandel im West-Berlin der Nachkriegszeit.
Annette Hess (59, r.) wurde insbesondere mit historischen Stoffen bekannt. "Weissensee" erzählt vom Leben einer Familie in der DDR, die "Ku'damm"-Reihe vom gesellschaftlichen Wandel im West-Berlin der Nachkriegszeit.  © Gianluigi Jorio/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

"Noch sind wir mehr", sagte die Schöpferin der Fernsehserien "Weissensee" und "Ku'damm 56" mit Blick auf den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt dem "BR".

Bei der Landtagswahl dort war die AfD mit 43,8 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft geworden. Hess verwies zugleich darauf, dass die rund 576.000 AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Bevölkerung Deutschlands ausmachten.

Die Autorin beschäftigt sich seit Jahren in Büchern und Fernsehproduktionen mit deutscher Geschichte. Ihr 2018 erschienener Roman "Deutsches Haus", der den Frankfurter Auschwitz-Prozess in den 1960er-Jahren zum Hintergrund hat, ist nun für das Hamburger Thalia Theater auf die Bühne gebracht worden.

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Hess äußerte Zweifel daran, ob historische Erzählungen über Nationalsozialismus und Holocaust heute noch ausreichten, um Menschen emotional zu erreichen.

Hess fragt, wie sich heute noch vor Faschismus warnen lässt

Angesichts aktueller politischer Entwicklungen stelle sich für sie die Frage, wie eine Geschichte wie "Deutsches Haus" heute erzählt werden müsste, um vor den Folgen des Rechtsextremismus zu warnen.

Beim Schreiben des Romans sei ihr besonders aufgefallen, wie wenig präsent die NS-Verbrechen in Teilen der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft gewesen seien. In einem Lexikon aus dem Jahr 1960 habe der Eintrag zu Auschwitz nur wenige Zeilen umfasst. Viele Menschen hätten damals von der Vergangenheit nichts wissen wollen.

Titelfoto: Gianluigi Jorio/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

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