Von Julia Kilian
Berlin - Vor einem der wichtigsten Theater Deutschlands kann man jetzt planschen. Der neue Intendant der Berliner Volksbühne, Matthias Lilienthal, hat ein temporäres Schwimmbecken am Rosa-Luxemburg-Platz eröffnet.
In den letzten zwei Wochen habe die Stadt über nichts anderes geredet als darüber, ob das "Volksbad" nun eine Super-Idee oder bescheuert sei, sagte Lilienthal der Deutschen Presse-Agentur.
Vor ein paar Tagen sei eine Anwohnerin gekommen und habe gesagt: "Ick gloobe, du hast ja echt 'nen vollen Dachschaden". "Dann habe ich mich für das Kompliment bedankt, und dann hat sie gesagt, sie liebt das Volksbad", sagte Lilienthal, der auch selbst schon im Wasser war.
Noch bis Oktober bleibt der Pool, dessen Aufbau und Betrieb das Theater rund 300.000 Euro kostet. Der Besuch ist kostenlos - Zeitfenstertickets kann man immer drei Tage vorher online buchen. Für Lilienthal ist das Projekt auch ein politischer Protest gegen verfallende Infrastruktur.
Offiziell eröffnet wird Lilienthals erste Spielzeit im Oktober. Er ist Nachfolger des früheren Intendanten René Pollesch, der vor zwei Jahren überraschend gestorben war. Weil derzeit noch die Obermaschinerie im Theater saniert wird, hat Lilienthal vorab das Wasserspektakel organisiert.
Kritik von der SPD
Inspiriert ist das Projekt von Performancekünstlerin Florentina Holzinger, die derzeit den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielt. Dort lässt sie Frauen etwa nackt Jetski fahren. An der Volksbühne hatte sie unter anderem "Ophelia's Got Talent" mit einem Wasserbecken inszeniert.
Für ihn sei die Aktion auch ein wenig in Erinnerung an Regisseur Christoph Schlingensief, sagte Lilienthal. Der habe immer geschimpft über die Bilder von Filmemacher Wim Wenders ("Der Himmel über Berlin"). "Als ich dann Rückenschwimmen gemacht habe und nach oben geguckt habe, habe ich gedacht: Der Himmel über Berlin ist doch nicht so doof."
Doch es gibt auch Kritik. Die Volksbühne wird jährlich mit mehr als 20 Millionen Euro bezuschusst. Die SPD-Abgeordnete Dunja Wolff (64) aus dem Berliner Abgeordnetenhaus sieht die Aktion mit dem Pool in Zeiten des Spardrucks kritisch.
"Ich hätte mir das Geld für die kleinen Spielstätten, speziell Jugendtheater gewünscht." Statt sich den Traum des Schwimmmeisters zu erfüllen, "sollten besser die Plätze bei Vorstellungen gefüllt werden".