Auto rast in Menschenmenge: Lehrerin stirbt in Berlin, etliche Schüler verletzt

Berlin - Schlimme Szenen in Berlin! Am Ku'damm ist ein Auto am Mittwochvormittag in eine Menschenmenge gefahren. Eine Lehrerin aus Hessen starb, sechs weitere Menschen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Der Fahrer (29) konnte festgenommen werden.

Schock in der Berliner Innenstadt: Ein Auto ist in der Nähe der Gedächtniskirche in eine Menschenmenge gefahren.
Schock in der Berliner Innenstadt: Ein Auto ist in der Nähe der Gedächtniskirche in eine Menschenmenge gefahren.  © Fabian Sommer/dpa

Laut einem Feuerwehrsprecher wurden zudem drei Personen schwer und mehrere leicht verletzt. Die Polizei ging am Abend von insgesamt 14 Verletzten aus.

Ferner teilte eine Sprecherin mit, dass es sich bei den Verletzten ausschließlich um Menschen aus der Schülergruppe einer zehnten Klasse aus dem nordhessischen Bad Arolsen handele, mit der die Lehrerin in Berlin unterwegs gewesen war. Ein weiterer Lehrer wurde demnach schwer verletzt. Die Schüler werden psychologisch betreut.

Nach Angaben der Polizei fuhr ein Renault Clio gegen 10.26 Uhr an der Straßenecke Ku'damm und Rankestraße auf den Bürgersteig des Ku'damms und in eine Menschengruppe. Dann fuhr er auf die Kreuzung und knapp 200 Meter weiter auf der Tauentzienstraße Richtung Osten.

Berlin: Offiziell: Teilstück der Friedrichstraße ab Montag dauerhafte Fußgängerzone
Berlin Lokal Offiziell: Teilstück der Friedrichstraße ab Montag dauerhafte Fußgängerzone

Kurz vor der Ecke Marburger Straße lenkte er den Wagen erneut von der Straße auf den Bürgersteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und landete schließlich im Schaufenster einer Douglas-Filiale.

Der Pressesprecher der Polizei, Thilo Cablitz, sagte: "Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob es sich um eine Vorsatztat oder einen Verkehrsunfall handelt."

Die Polizei nahm den Fahrer des Wagens vorläufig fest. Nach offiziellen Angaben handelt es sich um einen 29 Jahre alten Deutsch-Armenier, der in Berlin lebt. Er befindet sich mittlerweile unter Bewachung im Krankenhaus und wird auch auf psychiatrische Vorerkrankungen untersucht.

Am Abend fand eine Gedenk-Andacht in der Gedächtnis-Kirche statt, in deren Nähe sich der Vorfall ereignete.

Update, 21.17 Uhr: Ermittler gehen laut Innensenatorin Spranger von Amoktat aus

Wie Innensenatorin Iris Spranger am Mittwochabend bei Twitter mitteilte, gehen die Ermittler inzwischen von einer "Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen" aus. Spranger hatte zuvor eine politisch motivierte Tat bereits eher ausgeschlossen.

Passend dazu hatte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey nochmals bekräftigt, dass in dem Wagen kein Bekennerschreiben gefunden wurde. "Es gibt entgegen der Aussagen, die zwischendurch mal kamen, kein Bekennerschreiben", sagte sie im ZDF.

Update, 20.58 Uhr: Polizeipräsidentin: Mordkommission ermittelt in alle Richtungen

Die Präsidentin der Hauptstadt-Polizei hat am Abend die Offenheit der Ermittlungen betont. Man ermittele wirklich in alle Richtungen, sagte Barbara Slowik (56) am Mittwochabend im RBB. Psychische Beeinträchtigungen des 29 Jahre alten Fahrers seien zwar nicht auszuschließen, aber alle anderen Hintergründe ebenso wenig. Die Polizei schließe im Moment "gar nichts" aus.

Die Ermittlungen würden von einer Mordkommission geführt, sagte Slowik. "Hinweise auf eine politische Tat haben wir derzeit so nicht, dass wir jetzt den Staatsschutz sozusagen die Ermittlungen übernehmen lassen würden." Die Polizei werde etwa das Auto des Fahrers noch kriminaltechnisch untersuchen.

Ermittler setzen Slowik zufolge auch auf Fotos und Videos, die von Zeugen auf einer Hinweisplattform hochgeladen werden könnten. Dies helfe immens für eine schnelle Auswertung.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik (56) hat am Abend im RBB die Offenheit der Ermittlungen betont.
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik (56) hat am Abend im RBB die Offenheit der Ermittlungen betont.  © Christoph Soeder/dpa

Update, 20.49 Uhr: Vierzehn Verletzte aus Schülergruppe

Nach derzeitigem Kenntnisstand der Polizei sind neben der getöteten Lehrerin 14 Menschen verletzt worden. Bei den Verletzten handele es sich ausschließlich um Menschen aus der Schülergruppe, mit der die Lehrerin aus Hessen in Berlin unterwegs gewesen war, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend.

Fünf oder sechs Menschen davon seien lebensbedrohlich verletzt worden, drei weitere schwer verletzt. Wegen der dynamischen Lage schwankten die Angaben noch, hieß es.

Update, 20.41 Uhr: Andacht in Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Am Abend haben zahlreiche Menschen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche der Toten und Verletzten gedacht. Unter den Gästen waren unter anderem Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne), Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (beide SPD), aber auch Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei. Auch viele Bürgerinnen und Bürger drückten bei der Andacht ihre tiefe Anteilnahme aus.

Auf arglose Menschen sei bei dem Vorfall am Mittwoch "brutale Gewalt" eingebrochen, sagte die Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein bei der Andacht. "Eine solche Situation verschlägt uns die Sprache." Viele Zeugen und Betroffene hätten noch die Schreie der Menschen in den Ohren, sagte Trautwein.

"Das war eine sehr berührende Andacht, die ja auch nochmal für viele Menschen die Möglichkeit war, diesen Tag heute irgendwie zu verarbeiten", sagte Giffey. Unter den Besuchern des Gottesdienstes seien auch einige gewesen, die schon im Dezember 2016 in der Nähe der Gedächtniskirche unterwegs waren.

Dort war damals ein islamistischer Attentäter in einen Weihnachtsmarkt gefahren. "Es war gut, dass wir hier zusammengekommen sind. Aber es ist schwer, an so einem Tag auch Trost zu finden", sagte Giffey.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (44, SPD, M.) hat am Mittwochabend an einer Andacht in der Berliner Gedächtniskirche teilgenommen.
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (44, SPD, M.) hat am Mittwochabend an einer Andacht in der Berliner Gedächtniskirche teilgenommen.  © Dominik Totaro

Update, 20.17 Uhr: SEK-Einsatz in Wohnung des Fahrers, Polizei nimmt Kontakt zu Schwester auf

Nach dem tödlichen Auto-Vorfall nahe der Berliner Gedächtniskirche hat die Polizei mit Unterstützung eines Spezialeinsatzkommandos die Wohnung des Fahrers durchsucht. Den Einsatz im Stadtteil Charlottenburg, über den zuvor die "Bild"-Zeitung berichtet hatte, bestätigte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Zudem habe die Polizei Kontakt zur Schwester des Fahrers gehabt, hieß es. Weitere Einzelheiten gab es zunächst nicht.

Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen soll der Verdächtige jedoch psychisch auffällig sein.

Update, 19.36 Uhr: Polizei sichert bis in den Abend Beweise und geht von etwa 20 Verletzten aus

Auch Stunden nach dem tödlichen Auto-Vorfall nahe der Berliner Gedächtniskirche sichert die Polizei noch vor Ort Beweise. Nach Angaben der Beamten dort soll die Beweissicherung bis in den späten Mittwochabend laufen. Ziel sei es, die Straße wieder freizugeben. Die Untersuchungen vor Ort werden den Ermittlern zufolge am Donnerstag weitergehen.

Die Polizei ging am Abend von insgesamt etwa 20 Verletzten aus. Eine konkrete Zahl könne wegen der dynamischen Lage aber weiter nicht genannt werden, hieß es. Neben der getöteten Lehrerin aus Hessen gebe es derzeit kein weiteres Todesopfer. Viele Menschen seien in psychologischer Betreuung.

Nach stundenlanger Spurensicherung vor Ort, ist der silberne Renault Clio am Abend abgeschleppt worden.
Nach stundenlanger Spurensicherung vor Ort, ist der silberne Renault Clio am Abend abgeschleppt worden.  © Dominik Totaro

Update, 18 Uhr: BVG setzte U-Bahn-Linien aus

Nicht nur die Tauentzienstraße und Umgebung wurde gesperrt, auch der U-Bahnverkehr wurde dort vorübergehend ausgesetzt. Betroffen gewesen seien die Bahnhöfe Kurfürstendamm, Zoologischer Garten und Wittenbergplatz, sagte ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Mittwochabend.

Der Verkehr auf den U-Bahnlinien 1,2, 3 und 9 sei dort auf Anweisung der Polizei zwischenzeitlich unterbrochen worden, von etwa 15.30 Uhr bis circa 17.00 Uhr. Mittlerweile laufe der U-Bahnverkehr wieder. Buslinien würden teilweise noch immer umgeleitet.

Update, 17.30 Uhr: Telefonangebot für Angehörige eingerichtet: Giffey ruft zur Unterstützung auf

Die Polizei hat nach dem schrecklichen Vorfall eine Telefonhotline eingerichtet. "Unsere Personenauskunftsstelle für Angehörige ist erreichbar unter 030 - 84854460", twitterte die Polizei am Mittwochnachmittag.

Auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) verwies auf die Nummer: "Uns ist besonders wichtig, dass nicht die Angehörigen aus irgendwelchen, ja, anderen Kanälen - Twitter und hochgeladene Bilder oder sonstwas - davon erfahren, sondern dass wir die Information machen." Deswegen sei auch die Zusammenarbeit mit der hessischen Polizei wichtig.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik nannte die Nummer ebenfalls - dort erhalte man Auskünfte. Sie rief zur Unterstützung der Ermittlung auch dazu auf, über ein Portal Hinweise an die Polizei zu liefern, etwa Video- und Bildmaterial.

Update, 17.15 Uhr: Schriftstücke und Plakate im Auto des Fahrers gefunden

Das Motiv ist weiter unklar, inzwischen deutet aber einiges darafhin, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt habe. In dem Wagen sind neben Schriftstücken auch Plakate mit Aufschriften gefunden worden. "Ein richtiges Bekennerschreiben gibt es nicht", sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Mittwoch. Zuvor hatte es aus Polizeikreisen geheißen, es sei ein Bekennerschreiben in dem Auto gefunden worden.

Spranger sprach von "Plakaten", auf denen Äußerungen zur Türkei stehen würden. Die genaue Motivation des Fahrers müsse untersucht werden. Eine Polizeisprecherin sagte: "Welcher Art die Äußerungen auf Schriftstücken und Plakaten sind, die im Auto gefunden wurden, prüfen wir noch."

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einem "Tatverdächtigen", der sich nun im Krankenhaus befinde. Im Moment gebe es keine einschlägigen Erkenntnisse zu einer politischen Motivation. Von einem zufälligen Unfall war in den Stellungnahmen nicht die Rede.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD, M) spricht mit den Medien.
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD, M) spricht mit den Medien.  © Christoph Soeder/dpa

Update, 16.31 Uhr: Tote Frau war Lehrerin aus Hessen

Die von einem Autofahrer in Berlin getötete Frau war eine Lehrerin aus Hessen, die mit einer Schulklasse zu Besuch in der Hauptstadt war. Das sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (60, SPD) am Mittwoch.

Bei dem Vorfall waren auch Schüler der 10. Klasse dabei. Ob Schüler verletzt wurden, war zunächst noch unklar.

Die Lehrerin sei mit einer zehnten Klasse einer Schule aus dem nordhessischen Bad Arolsen in Berlin gewesen, teilte die hessische Landesregierung mit.

Titelfoto: Dominik Totaro

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