Von Mia Bucher
Berlin - Der Berliner SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl, Steffen Krach (47), hat ein zusätzliches Millionenprogramm für die Drogen- und Suchthilfe vorgestellt.
Im Jahr 2025 starben in Berlin 300 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums. Das ist ein Höchststand.
In einer Presserunde präsentierte er ein sogenanntes Berliner Modell 2.0 gegen die Drogenkrise. Als Sofortprogramm sieht Krachs Konzept für 2027 rund eine Million Euro zusätzlich vor. In den Folgejahren soll der Betrag schrittweise steigen – bis 2030 auf bis zu 25 Millionen Euro pro Jahr.
Klar koste das Geld, sagte Krach, aber: "Eine Summe von 25 Millionen Euro ist etwas, was sich so ein Land wie Berlin leisten kann." Der Berliner Landeshaushalt beträgt etwa 45,5 Milliarden Euro für 2026 und 46,5 Milliarden Euro für 2027.
Konkret will der SPD-Politiker beispielsweise 1000 zusätzliche "Housing First"-Wohnplätze anbieten. "Housing First" ist ein Ansatz in der Obdachlosenhilfe, bei dem wohnungslose Menschen zunächst und ohne Vorbedingungen eine stabile, dauerhafte Unterkunft erhalten.
Außerdem will Krach Präventionsangebote für Jugendliche und Kinder ausbauen, etwa an Schulen. Zudem soll es stadtweit Drogenberatungsangebote und Konsumorte geben, die verlässlich und länger geöffnet sind. Bis 2030 möchte Krach eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung erreichen.
Zu wenig Personal und zu viel Bürokratie in Suchtberatungsstellen
Dabei sollen die Träger eine verlässliche Finanzierung bekommen, die von einer zentralen Stelle aus gesteuert wird und nicht von Jahr zu Jahr neu beantragt werden muss. Dem Personal sollen damit langfristige Perspektiven gegeben werden.
Außerdem schlägt der 47-Jährige vor, das Medikament Naloxon, das als Gegenmittel bei einer Opioid-Überdosierung eingesetzt wird – etwa bei Heroin, Morphin oder Fentanyl – niedrigschwellig verfügbar zu machen. Denkbar wäre etwa, dass Polizisten oder BVG-Mitarbeiter mit Sprays ausgestattet würden.
Ferner möchte Krach über die Möglichkeit diskutieren, Drogenhandel von kleinen Mengen zwischen schwer Abhängigen an kontrollierten Orten zu erlauben.
Suchtexperten kritisieren, dass es in den Beratungsstellen zu wenig Personal und einen zu hohen Bürokratieaufwand gebe.
Für einen Ersttermin müssten Betroffene zum Teil zwischen vier und sechs Wochen warten, sagte Rolf Glemser, der die integrierte Suchtberatungsstelle in Lichtenberg leitet. Das sei zu lang.