Nicht, wie Ihr denkt: Berlins Clubszene hat ein Alkoholproblem
Von Antje Kayse, Johannes Kohlstedt
Berlin - Das Clubsterben in Berlin ist nicht nur ein theoretischer Begriff. Immer wieder machen beliebte Schuppen dicht oder sind zumindest bedroht. Nicht immer aber sind es ein Investor oder eine viel zu teure Pachterhöhung, die den Clubs zu schaffen machen. Immer mehr Clubs kämpfen ums wirtschaftliche Überleben.
Das zeigt die neue Studie "Clubkultur Berlin 2026", die im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe von der Berliner Clubkommission erstellt wurde.
Das Problem: Die Gäste planen ihren Clubabend offenbar immer bewusster. Sie bleiben kürzer, trinken weniger Alkohol und geben entsprechend weniger Geld an der Bar aus.
Das hat Folgen für die Clubs. Der Eintritt ist inzwischen zur wichtigsten Einnahmequelle geworden.
Die Einnahmequellen hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Den Großteil der Einnahmen machen mittlerweile nicht mehr Getränkeverkäufe aus, sondern der Eintritt, so die Clubkommission. "Was der Tresen nicht mehr einspielt, muss der Eintritt tragen."
2017 stammten demnach noch rund 60 Prozent der Einnahmen aus Gastronomie und Getränkeverkäufen, der Eintritt machte lediglich 21 Prozent aus. Mittlerweile ist das Verhältnis umgekehrt: Mit 59 Prozent sei der Eintritt mittlerweile die wichtigste Einnahmequelle. Durchschnittliche Eintrittspreise erhebt die Clubkommission nicht - 15 bis 20 Euro für den Eintritt sind in Berlin jedoch keine Seltenheit mehr.
Personalkosten gestiegen
Gleichzeit seien die Kosten, insbesondere für Personal, gestiegen, heißt es: 64 Prozent nennen Personalkosten als größten Belastungsfaktor, 62 Prozent die Betriebskosten, 60 Prozent die sinkende Kaufkraft des Publikums. 85 Prozent der befragten Einrichtungen geben demnach an, dass wirtschaftlicher Druck das Veranstaltungsprogramm verändere. Neben den steigenden Kosten bleibe die Raumfrage eines der hartnäckigsten Probleme.
Während etablierte Orte wie Watergate, SchwuZ oder Mensch Meier geschlossen haben, sind neue Orte, Kollektive und Nutzungskonzepte entstanden, so die Clubkommission. Ihr zufolge haben seit 2020 24 Clubs- und Kulturstandorte geschlossen - und rund 25 neue sind entstanden.
Für die Studie wurden im März und April dieses Jahres Clubs, freie Kollektive, Veranstalter und weitere kuratierte Formate befragt. Auch Musikbars, Off-Spaces und soziokulturelle Zentren wurden einbezogen. Reine Eventlocations, Gastronomiebetriebe und kommerzielle Diskotheken wurden nicht berücksichtigt.
102 Befragte füllten den Fragebogen vollständig aus. Außerdem wurden qualitative Interviews mit zwölf Clubgängerinnnen und Clubgängern zwischen 22 und 28 Jahren geführt.
Vier wichtige Forderungen zur Stärkung der Clubs
Die Tanzflächen seien voll, die Kassen aber leer, so die Clubkommission: 50 Prozent oder mehr Auslastung meldeten 83 Prozent der befragten Clubs. Allerdings arbeiten mittlerweile nur noch 61 Prozent der Clubs mindestens kostendeckend. Das waren 2017 noch 79 Prozent.
95 Prozent der Befragten sehen die langfristige Existenz vieler Clubs ohne strukturelle Verbesserungen gefährdet. "Die Berliner Clubkultur stirbt damit nicht, sie steht unter Transformationsdruck."
Nach Angaben der Clubkommission sind vier Punkte entscheidend, um die Berliner Clubkultur nachhaltig zu stärken: Landeseigene Immobilien sollten systematisch für Clubkultur geöffnet werden. Anstelle von projektbezogenen Einzelmaßnahmen solle es eine langfristige Förderstruktur geben.
Clubs sollten außerdem als Kulturstätten auf Landes- und Bundesebene anerkannt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.
Titelfoto: Christophe Gateau/dpa

