Streit um Wahlplakat in Berlin: Ist das gut so?
Berlin - In Berlin ist in der heißen Phase vor den Wahlen im September ein "Streit" zwischen den regierenden Koalitionspartnern CDU und SPD ausgebrochen.
Stein des Anstoßes ist ein überdimensioniertes Wahlplakat an der CDU-Parteizentrale in Tiergarten, das den neuen Spitzenkandidaten Stefan Evers (46) zeigt.
So weit, so gut. Allerdings prangt neben seinem Konterfei der Slogan: "Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so." Mit dieser Wahlbotschaft spielt der Politiker mehr als offensichtlich auf ein berühmtes Zitat des ehemaligen Bürgermeisters Klaus Wowereit (72, SPD) an.
Der SPD-Politiker outete sich am 10. Juni 2001 auf einem SPD-Parteitag mit dem Satz: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so!" öffentlich als homosexuell, um Spekulationen im Wahlkampf im Keim zu ersticken.
Wowereit war damit der erste deutsche Spitzenpolitiker, der sich offen dazu bekannte, schwul zu sein.
Auch Evers lebt offen homosexuell und ist seit Jahren verheiratet. Womöglich hat er sich auch daher bei Wowereit als Vorbild bedient. Allerdings hat das legendäre Zitat damit eine konservative Auslegung bekommen, die wohl nicht im Sinn des Schöpfers war.
Steffen Krach und SPD kontern Evers-Plakat bei Social Media
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach nimmt CDU-Konkurrent Stefan Evers aufs Korn
Dass sich aufgrund der eklatanten Anspielung Widerstand in der SPD regt, war abzusehen.
Spitzenkandidat Steffen Krach (46) hat das Evers-Plakat in Zusammenarbeit mit seiner Partei jetzt bei Social Media gekontert.
Auf seinem privaten X-Account hat er eine eigene Wahlwerbung veröffentlicht, die ihn neben Wowereit zeigt. Darunter steht die Parole: "Berlin ist nicht konservativ. Und das ist auch gut so." Die Berliner und Berlinerinnen haben also die Wahl: "It's your choice", schreibt der SPD-Politiker dazu und versieht den Beitrag mit einem lachenden Emoji.
Und was sagt der Urheber des legendären Ausspruchs selbst dazu? "Dass Stefan Evers konservativ ist, das wissen wir. Ob das auch gut ist, sei dahingestellt", erwiderte Klaus Wowereit gelassen gegenüber dem Tagesspiegel. Es störe ihn nicht und schließlich habe er auch kein Copyright darauf.
Titelfoto: Annette Riedl/dpa, Fabian Sommer/dpa (Bildmontage)

