Berlin/Damaskus - Rund zwei Monate nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist Berichten zufolge eine Kontaktperson des Attentäters in Syrien festgenommen worden.
Bei der Frau soll es sich um die Britin Sharmeena Begum handeln, die sich vor der Tat mit dem späteren Attentäter Abdul Ballout (21) ausgetauscht haben soll. Das hat der Terrorismusexperte Florian Flade in seinem "Blog" unter Berufung auf Erkenntnisse des Bundeskriminalamts berichtet.
Begum sei in der vergangenen Woche von lokalen Sicherheitskräften in Syrien festgesetzt worden. Warum sie festgenommen wurde, ist bislang unklar. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll die Festnahme nicht auf Ersuchen deutscher Strafverfolger erfolgt sein. Möglicherweise interessieren sich auch Behörden anderer Staaten für die Frau.
Auf Begum waren deutsche Ermittler bei der Auswertung eines Mobiltelefons von Ballout gestoßen.
Demnach soll der 21-Jährige wenige Tage vor dem Anschlag mit ihr gechattet haben. Hinweise darauf, dass die Frau den späteren Attentäter angeleitet oder konkrete Anweisungen für die Tat gegeben habe, sehen die deutschen Ermittler nach bisherigem Kenntnisstand nicht.
Begum soll im Alter von 15 Jahren Großbritannien verlassen haben und 2014 über die Türkei nach Syrien gereist sein, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen.
Sharmeena Begum unter neuer Identität in Syrien
Nach dem militärischen Zusammenbruch des IS geriet sie den Berichten zufolge 2019 in die Gefangenschaft kurdischer Kräfte. 2022 soll ihr die Flucht aus dem Lager Al-Hol gelungen sein. Danach habe sie sich unter einer neuen Identität in Syrien aufgehalten.
Über soziale Netzwerke soll sie unter anderem IS-Propaganda verbreitet und Spenden für Dschihadisten gesammelt haben.
Ballout, der sich auch im Ausland dem IS anschließen wollte, hatte am 25. Juli am Rande des Berliner CSD einen Anschlag verübt. Er fuhr mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge und griff anschließend Menschen mit einer Stichwaffe an.
Eine Frau wurde getötet, 31 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Täter flüchtete und wurde einen Tag später bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen.