Friedhofs-Rätsel in Stahnsdorf: Wer lockt Wildschweine zu den Gräbern?
Von Monika Wendel
Stahnsdorf - Wer schneidet immer wieder den Zaun auf, lockt Wildschweine an - und warum? Auf dem bedeutsamen Friedhof in Stahnsdorf im Berliner Speckgürtel lösen die Schäden auch emotionale Belastungen aus.
Unbekannte haben den rund vier Kilometer langen Zaun nach Angaben des Friedhofsverwalters Olaf Ihlefeldt bereits an 18 Stellen beschädigt. Zudem sollen sie an Bäumen Lockstoffe für Wildschweine angebracht haben. Dafür sei starkes Werkzeug nötig, sagte Ihlefeldt.
Die Wildschweine dringen inzwischen auf das Gelände vor und durchwühlen Grabfelder. Für den Friedhof ist das eine erhebliche Belastung.
Sechs Jahre lang hatte ein stabiler Zaun die Tiere ferngehalten. Nun seien die Schäden täglich sichtbar, sagte Ihlefeldt.
Besonders belastend sei es, wenn Angehörige vor aufgewühlten Gräbern stünden und die Totenruhe gestört werde.
Zweitgrößter Friedhof Deutschlands
Der 206 Hektar große Südwestkirchhof gilt als zweitgrößter Friedhof Deutschlands nach dem Hamburger Ohlsdorfer Friedhof und als bedeutendes Denkmal der Bestattungskunst.
Unter anderem sind Manfred Krug, Dieter Thomas Heck und Werner von Siemens dort beigesetzt.
Während die Mitarbeiter den Zaun laufend reparieren, würden frisch behobene Stellen laut Ihlefeldt immer wieder vorsätzlich geöffnet.
Wer dahintersteckt und welches Motiv die Täter haben, ist bislang unklar. Die Polizei ermittelt, auch die Gemeinde Stahnsdorf bittet um Hinweise.
Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Die Wildschweine könnten Monate oder sogar Jahre auf dem Gelände bleiben. Geplant ist eine Bejagung der Tiere, sobald eine dafür nötige Ausnahmegenehmigung vorliegt.
Für Besucher sieht der Friedhofsverwalter derzeit keine Gefahr.
Wildschweine seien vor allem nachts aktiv und würden Menschen nicht gefährlich, solange sie nicht bedroht würden. Hunde sollten dennoch unbedingt an der Leine geführt werden.
Titelfoto: Bildmontage: Soeren Stache/dpa,

