Sprengvorrichtung entdeckt: Terrorermittlung nach Anschlag auf Energieanlage in Brandenburg
Von Marc-Oliver von Riegen, Fabian Nitschmann, Anja Mia Neumann, Julia Kilian, Aleksandra Bakmaz, Marlen Rothenburg
Turnow-Preilack (Spree-Neiße) - An einem Umspannwerk in Turnow-Preilack in Brandenburg unweit des Kraftwerks Jänschwalde sind Sprengvorrichtungen gefunden worden. Inzwischen wird wegen Terrorverdacht ermittelt!
Die Polizei teilte mit, dass am Dienstag gegen 8 Uhr eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung festgestellt wurde.
Es handelte sich demnach um den Fund sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen. Entschärfer waren vor Ort und Spuren wurden gesichert.
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz berichtete von einer "kurzzeitigen Leitungsunterbrechung". Die allgemeine Stromversorgung sei aber nicht beeinträchtigt gewesen.
Nach Angaben des Energieunternehmens Leag kam es zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk Jänschwalde. Ein Zusammenhang werde geprüft.
In dem Umspannwerk Preilack unweit der Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben der Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde in den Jahren 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.
Die Hintergründe des Vorfalls und die Frage, wer für den mutmaßlichen Angriff verantwortlich sein könnte, sind derzeit noch unklar.
2. September, 12.51 Uhr: Steckt bundesweit agierendes Netzwerk hinter dem Anschlag?
Nach dem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen und weiteren mutmaßlichen Sabotageversuchen an Stromversorgungs-Anlagen tauschen sich die Ermittler in den betroffenen Bundesländern aus.
Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) steht nach eigenen Angaben mit den ermittelnden Dienststellen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen im Informationsaustausch. Ziel sei es, Ermittlungsansätze zu gewinnen, teilte ein LKA-Sprecher auf Anfrage mit. Weitere Angaben machte er nicht.
Der Brand in Reutlingen hatte im Juni rund 7600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom zurückgelassen. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Einen Tatverdächtigen gibt es bislang nicht.
In Nordrhein-Westfalen gab es ebenfalls einen Vorfall im Zusammenhang mit kritischer Infrastruktur: In Bergheim bei Köln mussten nach einer Störung fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gehen.
2. September, 12.22 Uhr: Polizei ermittelt wegen Terrorverdacht
Die Polizei ermittelt nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
Zudem werde wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion sowie Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel ermittelt, teilte die Polizei mit.
"Derzeit sind Einsatzkräfte vor Ort, um den Bereich nach weiteren Beweismitteln abzusuchen", hieß es. Es komme dafür zu Sperrungen. Weitere Informationen könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht veröffentlicht werden, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.
2. September, 11 Uhr: "Verdammtes Glück" - Anschlag hätte verheerend sein können
Landesinnenminister Jan Redmann (46, CDU) geht davon aus, "dass wir da verdammtes Glück gehabt haben". Nach jetzigem Stand habe nur einer von mehr als einem Dutzend "raketenähnlichen Gegenständen, die einen Treibsatz hatten", sein Ziel erreicht, sagte der CDU-Politiker im Innenausschuss des Landtages.
Ein Geschoss habe es am Dienstagmorgen geschafft, ein Kabel in die Höchstspannungsleitung zu transportieren, um eine leitende Verbindung mit dem Erdboden herzustellen. Es seien keine handelsüblichen Silvesterraketen gewesen, aber durchaus vergleichbar, so Redmann. Die Täter hätten die Geschosse direkt unter den Leitungen in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack positioniert.
Die Tatausführung sei anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden, stellte Redmann klar. Bislang gebe es auch kein Bekennerschreiben. Ebenso wenig gebe es bisher aber einen Hinweis darauf, "dass eine ausländische Macht dahintersteht und mit geheimdienstlichen Mitteln agiert wurde".
2. September, 7.23 Uhr: Anschlag auf Stromnetz "kein Kinderstreich" - aber wer steckt dahinter?
Innenminister Jan Redmann (46, CDU) hat am Mittwochmorgen festgestellt, dass der Anschlag auf das Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde "kein Kinderstreich" gewesen sei.
Klar sei: Es habe sich um ein systematisches Vorgehen gehandelt. Zunächst blieb unklar, ob es sich um selbst gebastelte Flugkörper oder hergestellte Raketen handelte.
Im Fokus der Ermittler steht nun unter anderem, wie spezialisiert das Wissen der Täter gewesen ist. "Ob es beispielsweise Bauanleitungen für solche Geräte auch im Internet gibt", sagte Redmann.
1. September, 18 Uhr: Innenminister spricht von einem "systematischen Vorgehen"
"In zwei Fällen ist es gelungen, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung einzubringen", sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (46, CDU). "In einigen weiteren Fällen ist das glücklicherweise nicht gelungen." Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, erklärte der Minister weiter. Das Gelände werde weiter abgesucht. Redmann sprach von einer zweistelligen Anzahl weiterer Vorrichtungen, die gefunden worden seien. Laut Netzbetreiber 50Hertz gab es keinen Stromausfall.
Die Täter sind bisher unbekannt: "Gegenwärtig laufen die Ermittlungen natürlich in alle Richtungen", sagte der Minister. Es habe sich um ein systematisches Vorgehen gehandelt. "Das Ziel war jedenfalls, durch das leitfähige Material einen Kurzschluss herbeizuführen." Das sei in zwei Fällen gelungen. "Wir gehen gegenwärtig (...) davon aus, dass mittels eines Treibsatzes leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitung gebracht wurde, das dort also reingeflogen ist", sagte Redmann.
Ein Feuerball sei zu sehen gewesen, sagte der Innenminister. Dabei habe es sich vermutlich um einen Kurzschluss in einer Höchstspannungsleitung gehandelt, der dann ins Erdreich gegangen sei. "Es ist nicht so, dass wir bislang bestätigen können, dass hier ein Sprengsatz detoniert sei."
1. September, 16.22 Uhr: Flugkörpern aus handelsüblichen Silvesterraketen gebaut
Der Netzbetreiber 50Hertz veröffentlichte eine weitere Mitteilung. Demnach wurde die versuchte Sachbeschädigung nach bisherigen Erkenntnissen mit selbstgebauten Flugkörpern verübt, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln.
Vor Ort wurden zudem weitere, noch nicht gestartete Flugkörper gefunden.
1. September, 15.58 Uhr: Regierungschef Woidke verurteilt Anschlag
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (64, SPD) hat den "Anschlagsversuch" auf ein Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde verurteilt.
"Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen", erklärte der SPD-Politiker. Die Einsatzkräfte vor Ort sowie die Beschäftigten von Umspannwerk und Kraftwerk hätten durch "ihr rasches und besonnenes Handeln Schlimmeres verhindert". Bei dem Vorfall am Umspannwerk seien keine Menschen zu Schaden gekommen.
1. September, 15.23 Uhr: Minister vor Ort
Nach dem Fund von Sprengsätzen an einem Umspannwerk im Süden Brandenburgs will sich die Landesregierung vor Ort informieren.
Innenminister Jan Redmann (46, CDU) und Wirtschaftsministerin Martina Klement (46, CSU) wollten sich ein Bild der Lage machen, teilte das Innenministerium mit. Um 17 Uhr ist dort ein Statement geplant. Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (63, SPD) sagte: "Der Anschlag auf die Infrastruktur in Jänschwalde ist ein Angriff auf die Sicherheit und die Lebensgrundlagen der Menschen in Brandenburg und darüber hinaus."
1. September, 15 Uhr: Leag geht von Anschlag aus
Am Morgen sei ein Anschlag auf das Umspannwerk in Turnow-Preilack verübt worden, "über welches der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50 Hertz eingespeist wird", teilte ein Sprecher mit.
"In der Folge kam es zu einem technischen Ausfall von Block B im Kraftwerk." Das Unternehmen ist den Angaben zufolge in Abstimmung mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz und arbeitet parallel zur Schadensbehebung in Preilack an der Wiederinbetriebnahme von Block B.
1. September, 14.49 Uhr: Das sagt der Netzbetreiber 50Hertz
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz spricht von einer "kurzzeitigen Leitungsunterbrechung". "Mittlerweile sind alle Leitungen wieder in Betrieb", teilte das Unternehmen mit. Die allgemeine Stromversorgung sei derzeit nicht beeinträchtigt.
Zudem bittet 50Hertz die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit: "Wir bitten die Bevölkerung im gesamten Netzgebiet um besondere Aufmerksamkeit", heißt es in der Mitteilung. "Melden Sie verdächtige Personen und Vorkommnisse der Polizei."
1. September, 14.23 Uhr: Polizei spricht nicht von Raketen
"Entschärfer sind vor Ort", heißt es von der Polizei. Es gebe jedoch keine Auswirkungen auf die Bevölkerung. Es handelt sich um den Fund sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen.
"Spuren werden gesichert", sagte eine Polizeisprecherin gegenüber der "Deutschen Presse Agentur". Weitere Details gab es zunächst nicht.
Titelfoto: Frank Hammerschmidt/dpa
