Proteste auf dem Sonnenberg ohne Erfolg: Fußgängerbrücke wird abgerissen
Chemnitz - Im Stadtrat kämpften die Grünen für den Erhalt der Brücke, Anwohner trafen sich auf der Fußgängerbrücke Hainstraße auf dem Chemnitzer Sonnenberg und appellierten an Baubürgermeister Thomas Kütter (50, parteilos). Doch am Ende blieben alle ohne Erfolg. In der kommenden Woche wird die Fußgängerbrücke abgerissen.
Wie die Stadt am Freitag mitteilte, beginnen die Arbeiten am kommenden Mittwoch (14. Oktober) und dauern voraussichtlich bis zum 13. November.
Fußgänger werden durch entsprechende Beschilderungen über den Dresdner Platz geführt. Von der einen Brückenseite zur anderen macht das einen Fußweg von in etwa 900 Metern aus.
Eine barrierefreie Führung besteht über die Sonnenstraße – Martinstraße beziehungsweise Sonnenstraße – Dresdner Platz – Waisenstraße.
"Aufgrund des baulichen Zustands ist der Abbruch der Brücke leider unumgänglich", teilt die Stadt mit. Wegen des Alters und der Bauweise des Bauwerks sei sie mit der Konstruktion der eingestürzten Carolabrücke in Dresden vergleichbar.
Das Bauwerk befände sich in einem schlechten Zustand. Eine Sanierung käme daher nicht in Betracht, heißt es weiter.
"Der verwendete Spannstahl aus Hennigsdorfer Produktion gilt als spannungsrissgefährdet. Hinzu kommt, dass die Hohlkastenkonstruktion über der Gleisanlage nicht zugänglich ist, womit eine Kontrolle und Feststellung des derzeitigen Zustandes nicht einwandfrei möglich ist."
Auch mit einer umfangreichen Sanierung könnte daher eine weitere Gefährdung des Bahnbetriebes und aller Nutzer durch ein plötzliches Bauwerksversagen nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Kosten des Abbruchs bei knapp 500.000 Euro
Die Zuwegungen von der Jägerstraße zur Brücke werden ebenfalls zurückgebaut und die Fläche renaturiert. Damit wird deutlich: Ein Ersatzneubau ist in der nahen Zukunft nicht eingeplant.
Allein die Kosten des Abbruchs liegen bei rund 480.000 Euro. Kütter verwies bereits im Juni auf den städtischen Haushalt: "Aufgrund der angespannten Haushaltslage kann die Finanzierung eines Ersatzneubaus derzeit nicht dargestellt werden."
Nun beginnt am kommenden Mittwoch der Abbruch: Zunächst muss dafür der Überbau auf der Seite Jakobstraße freigelegt werden. Anschließend erfolgt der Abbruch des Überbaus abschnittsweise durch die Teilung in einzelne Segmente, die mit einem Kran ausgehoben werden.
Darauf folgen das Widerlager, einschließlich Auflagebank, die Rundstützte sowie die Ovalstütze. Dazu erfolgen zudem Erdarbeiten, um die Baugruben in den Widerlager- und Pfelierbereichen herzustellen.
Zum Schluss erfolgt der Lückenschluss "analog dem Bestand mit Vormauerung aus Natursteinen." Der aufgemauerte Bereich erhält Abdeckplatten aus Stahlbeton, auf denen als Absturzsicherung wieder ein Doppelstabmattenzaun befestigt wird.
Titelfoto: Kristin Schmidt

