1000 Euro "Entlastungsprämie" verärgert Chemnitzer Firmenchefs
Chemnitz - Die von der Regierung beschlossene "Entlastungsprämie" von 1000 Euro, die Unternehmen an Mitarbeiter steuerfrei zahlen können, stößt bei Chemnitzer Betrieben auf heftigen Widerstand. Hauptgrund sind die explodierenden Kosten in vielen Bereichen.
"Die Politik geht am richtigen Leben vorbei", erklärt der Geschäftsführer von "Schäfers Backstube", Dirk Schäfer (47). Dass die schwarz-rote Koalition in Berlin am Wochenanfang zur Entlastung von Arbeitnehmern eine Zahlung von 1000 Euro an alle Mitarbeiter beschlossen hat, hält Schäfer für "eine Frechheit".
Die Gründe liegen in den Kosten: Laut Schäfer werden Lieferfahrzeuge und Rohstoffe immer teurer. Die Zahlung einer solchen Prämie an seine 263 Mitarbeiter kann er nicht stemmen: "Wo sollen wir das Geld hernehmen?" Die einzige Lösung wäre für den Chef-Bäcker, die Preise für seine Produkte drastisch zu erhöhen. Das kommt aber nicht infrage: "Dann treibst du die Kunden aus dem Laden."
Mit seiner Meinung ist Schäfer nicht allein. Auch Andreas Richter (61) vom gleichnamigen Gartenfachmarkt sieht die Finanzspritze für Arbeitnehmer kritisch:
"Ich verstehe, dass die Belastung nicht nur die Unternehmen haben, sondern auch die Arbeitnehmer." Aufgrund der steigenden Kosten kann Richter noch nicht sagen, ob er eine Prämie zahlt.
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Ähnlicher Standpunkt in der Gastronomie
In der Gastronomie sieht man das ähnlich: "Momentan brauche ich gar nicht darüber nachzudenken", erklärt Turmbrauhaus-Chef André Donath (61). Für Gaststätten sei der Jahresanfang immer zäh – das Wetter ist schlecht und die Geldbeutel der Kunden leer. Aber: "Wir warten mal ab, wie sich das Jahr entwickelt."
Großunternehmen wie eins energie wollten sich auf Nachfrage nicht zur "Entlastungsprämie" äußern. Die Antwort des Klinikums als einem der größten Arbeitgeber der Stadt ist jedoch eindeutig:
"Gleichzeitig auch uns Kliniken nun eine Entlastungsprämie als Arbeitgeber nahezulegen, übersteigt unsere Belastungsgrenze und erscheint im Gesamtkontext fast schon widersinnig", so der kaufmännische Geschäftsführer Martin Jonas.
Hintergrund sind auch hier die steigenden Kosten.
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold, Kristin Schmidt (2), IMAGO/Christian Ohde

