Hilflose Hasen in Chemnitz? Tierliebe kann zum Problem werden

Chemnitz - Eine folgenreiche Mischung aus naiver Tierliebe und Ahnungslosigkeit hält derzeit die Chemnitzer Tierrettung auf Trab.

Tierretterin Sandra Kögel (47) hilft Haus- und Wildtieren in Not.
Tierretterin Sandra Kögel (47) hilft Haus- und Wildtieren in Not.  © Bildmontage: Sven Gleisberg, dpa/Peter Endig

Grund dafür ist flauschiger Nachwuchs von Feldhasen, der mitten in der Stadt scheinbar mutterseelenallein an Hauswänden, Kellerfenstern oder unterm Gebüsch hockt.

Die Jungtiere ducken sich still auf den Boden, selbst wenn Menschen sich nähern. "Viele Tierfreunde denken leider, dass die Jungen Hilfe brauchen und nehmen sie mit nach Hause. Dann beginnen die Probleme", sagt Vereins-Chefin Sandra Kögel (47).

"Für die Tiere ist es oft das Todesurteil. Und die Menschen machen sich strafbar, weil Feldhasen dem Jagdrecht unterliegen. Nur wenn ein Hase verletzt ist oder direkt auf der Straße hockt, sollte man eingreifen und die Tierrettung alarmieren."

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Feldhasen lassen ihren Nachwuchs natürlicherweise allein. Die Mutter kommt in der Dämmerung, um ihn zu säugen.

Dieser kleine Feldhase saß in Gablenz geduckt auf einer Schotterfläche. Eine Anwohnerin alarmierte die Tierretter. Die gaben Entwarnung.
Dieser kleine Feldhase saß in Gablenz geduckt auf einer Schotterfläche. Eine Anwohnerin alarmierte die Tierretter. Die gaben Entwarnung.  © privat
Im Park der OdF leben seit Jahren etliche Feldhasen.
Im Park der OdF leben seit Jahren etliche Feldhasen.  © Ralph Kunz
Lutz Röder (61) von Naturschutzbund Chemnitz weiß, was die Hasen in die Stadt zieht.
Lutz Röder (61) von Naturschutzbund Chemnitz weiß, was die Hasen in die Stadt zieht.  © Kristin Schmidt

Feldhasen leben schon seit längerem im Stadtgebiet

Die großen Lauscher sind das Markenzeichen der Feldhasen, die sich mittlerweile auch in der Chemnitzer Innenstadt wohlfühlen.
Die großen Lauscher sind das Markenzeichen der Feldhasen, die sich mittlerweile auch in der Chemnitzer Innenstadt wohlfühlen.  © picture alliance/dpa

"Feldhasen in Gefangenschaft aufzuziehen, gelingt Laien nicht, weil das Verdauungssystem der Tiere sehr empfindlich ist", so die Tierretterin.

"Wenn es möglich ist, versuchen wir, sie mit Gras abzureiben und wieder am Fundort auszusetzen, oder wir vermitteln sie an eine spezielle Pflegestelle weiter."

Im Stadtgebiet leben Feldhasen schon seit längerem.

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Lutz Röder (61) vom Naturschutzbund in Chemnitz kennt den Grund: "Die Tiere finden auf Feldern kaum noch Deckung, wie Hecken, und werden auch oft von großen Maschinen überfahren. Deshalb ist für sie die Stadt als Lebensraum attraktiv geworden."

Bekannt sind Vorkommen in Parks, auf dem Städtischen Friedhof, in Gartenanlagen, aber auch in Wohngebieten.

Titelfoto: privat, Ralph Kunz

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