Chemnitzer Uhrmacher-Meister hat noch ganz viel Zeit: Die Rente kann warten!
Chemnitz - Der Raum ist klein, die Regale gefüllt. Zwischen Wanduhren, alten Weckern und Taschenuhren riecht es nach Holz, Metall und Werkstatt. Seit mehr als 140 Jahren gibt es das Uhrmachergeschäft "Eduard Herrmann Nachfolger" in Chemnitz. Heute führt Andreas Göbelt (67) den Familienbetrieb in siebter Generation. Obwohl er bereits Rentner sein könnte, denkt er nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: "Ich kann mich vor Arbeit nicht retten", sagt der Uhrmachermeister.
In seiner Werkstatt in der Fabrikstraße repariert Göbelt mechanische und elektronische Uhren, tauscht Batterien und Federn aus, überholt Räderwerke und verkauft Uhren sowie Schmuck.
Immer wieder gelangen dabei besondere Stücke in seinen Laden: Taschenuhren aus den 1920er-Jahren, eine ungetragene Arctos Parat von 1935, ein Junghans-Wecker aus den 1920er-Jahren oder sogar eine rund 300 Jahre alte Spindeluhr.
"Leute kommen mit Uhren aus Nachlässen zu mir und fragen, was sie damit machen können. Manche möchten auch wissen, ob ich ihnen die Uhr abkaufe", erzählt Göbelt.
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Geschäft befindet sich seit 1954 in der Fabrikstraße
Die Geschichte des Geschäfts reicht bis ins Jahr 1885 zurück. Damals eröffnete Eduard Herrmann sein Uhrmachergeschäft in der Bergstraße. Anfang der 1930er-Jahre übernahm Göbelts Großvater Erich Berger den Betrieb und führte ihn unter dem Namen "Eduard Herrmann Nachfolger" weiter.
Nach mehreren Umzügen befindet sich das Geschäft seit 1954 in der Fabrikstraße. Andreas Göbelt übernahm den Betrieb 1995 von seiner Mutter.
Dass auch er Uhrmacher werden würde, stand für ihn früh fest. "Ich bin da hineingewachsen", sagt er. Schon als Sechs- oder Siebenjähriger half er seinem Großvater in der Werkstatt und lernte später das Handwerk bei seiner Mutter.
Für Göbelt ist der Beruf weit mehr als ein Job. "Wenn ich so eine Uhr repariere, ist das jedes Mal ein Erlebnis", sagt er. Deshalb denkt der 67-Jährige trotz Rentenalter nicht ans Aufhören. "Ich möchte das noch 20 Jahre machen. Ich habe jeden Tag meinen Laden auf, und es macht mir total viel Spaß. Vielleicht hält mich das auch ein bisschen länger am Leben."
Titelfoto: Ralph Kunz
