Sven Schulze trauert um Alt-OB Eberhard Langer (†92): "Pass von oben auf unser Chemnitz auf"

Chemnitz - Chemnitz trauert um einen seiner bekanntesten Kommunalpolitiker: Eberhard Langer ist am vergangenen Samstag im Alter von 92 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben. Er war von 1986 bis 1990 der letzte SED-Oberbürgermeister von Karl-Marx-Stadt und prägte die Stadt auch danach über Jahrzehnte - als Landtagsabgeordneter und 25 Jahre lang als Stadtrat für PDS und Die Linke.

Eberhard Langer, hier im Jahr 2017, ist im Alter von 92 Jahren gestorben.  © Uwe Meinhold

Besonders in der Wendezeit 1989/90 bewies Langer Besonnenheit, wie das Rathaus würdigt: "Er sorgte dafür, dass der Übergang im Rathaus friedlich blieb, und leitete im Frühjahr 1990 die Bürgerbefragung zur Rückbenennung der Stadt ein."

Sein Herz schlug aber nicht nur für die Politik, sondern vor allem für Fußball und Nachwuchs. Langer gehörte zu den Gründungsmitgliedern des FC Karl-Marx-Stadt und engagierte sich über Jahrzehnte für den CFC - unter anderem als Präsident und Vorsitzender des Ehrenrates.

"Mein großer Wunsch ist, dass der CFC wieder in die 3. Liga aufsteigt", verriet er TAG24 an seinem 90. Geburtstag. "Danke, Eberhard, für alles, was du für unseren Verein, unseren Fußball und unsere Stadt getan hast. Wir werden dich nicht vergessen", trauert nun der CFC.

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Auch für Kinder und Jugendliche setzte sich der Alt-OB über viele Jahre in zahlreichen Ehrenämtern ein. 2010 erhielt er für sein Lebenswerk den Chemmy, 2019 trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

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OB Langer (M.) im Gespräch mit Journalisten am Tag der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990.  © DPA/Wolfgang Thieme
Eberhard Langer (r.) während einer Kundgebung vor dem Karl-Marx-Monument mit Gregor Gysi (l.) im Jahr 1994.  © picture-alliance/dpa

Kondolenzbuch im Rathaus

2021 lud Oberbürger Sven Schulze (M.) die Ex-OBs Langer (r.) und Peter Seifert (l.) zu seinem 50. Geburtstag ein.  © Sven Gleisberg

"Für mich war er eine Institution, väterlicher Freund und Ratgeber", schreibt OB Sven Schulze (54, SPD) in den sozialen Medien. Langer sei "nahbar, authentisch, empathisch, verlässlich" gewesen. "Ein toller Mensch."

Noch im März besuchte Schulze seinen Amtsvorgänger im Pflegeheim - mit "Kuchen aus seinem geliebten Café Michaelis", im Juli telefonierten sie ein letztes Mal. Nun verabschiedet sich Schulze mit bewegenden Worten: "Eberhard, du bleibst im Herzen vieler. Pass von oben auf uns und unser Chemnitz und deinen CFC auf."

Ab Mittwoch liegt im Foyer des Rathauses ein Kondolenzbuch aus. Bürger können sich bis zum 19. September dort eintragen. Bei der morgigen Stadtratssitzung wird zudem mit einer Gedenkminute an Langer erinnert.

Seiner Stadt verbunden

Kommentar von Yesmina-Giselle Berndt

Als ich Eberhard Langer traf, war seine aktive politische Zeit längst vorbei. Es war an seinem 90. Geburtstag, den er im Café Michaelis feierte. Viele Freunde, Weggefährten und Politiker waren gekommen, um ihm zu gratulieren.

Unser Gespräch dauerte nicht lange. Aber selbst in dieser kurzen Begegnung kamen die beiden Themen zur Sprache, für die er posthum besonders gewürdigt wird: sein Engagement für die Stadt und seine Liebe zum Sport.

Am nächsten Tag rief Langer mich noch einmal an, um sich für den Text zu bedanken. In den Wochen danach sah ich ihn immer wieder mit seinem Gehstock durch die Innenstadt laufen. Mit 90 Jahren. Und offensichtlich noch immer mit Interesse an dem, was in dieser Stadt passierte. Das fand ich bemerkenswert.

Langers politische Biografie in Chemnitz ist dabei durchaus eine einzigartige. Als letzter SED-Oberbürgermeister von Karl-Marx-Stadt und Teil des politischen Systems der DDR war er sicherlich nicht unumstritten. Auch nach der Wende blieb er politisch aktiv, saß für PDS und Linke 25 Jahre im Stadtrat. Trotzdem - oder vielleicht gerade, weil man ihn über Jahrzehnte persönlich erlebt hatte - genoss er in Chemnitz Anerkennung weit über Parteigrenzen hinweg. Das habe ich zu seinem 90. Geburtstag selbst gesehen.

In Erinnerung bleibt vor allem ein Mann, dem seine Stadt bis zuletzt nicht egal war. Als Chemnitzerin finde ich das vorbildhaft.

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