300 Jahre alter Buch-Schatz aus Chemnitz wieder lesbar

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Chemnitz - Sie ist genau 291 Jahre alt, erzählt von Pest, Krieg und Stadtpolitik – und war dem Verfall gefährlich nahe: Die erste vollständige Chemnitzer Stadtchronik (1734) ist gerade frisch restauriert. Die Stadtbibo feiert ihr "Juwel" als emotionalen Meilenstein.

Lektorin Antje Schlenker (48) von der Chemnitzer Stadtbibo ist stolz auf die frisch restaurierte Stadtchronik aus dem Jahr 1734.
Lektorin Antje Schlenker (48) von der Chemnitzer Stadtbibo ist stolz auf die frisch restaurierte Stadtchronik aus dem Jahr 1734.  © Sven Gleisberg

"Viele wissen gar nicht, was für Schätze wir hier haben", sagt Julia Trillhof, eine der beiden neuen Bibo-Chefinnen, stolz. Die historische Chronik mit dem prachtvollen Titel "Historische Nachricht von denen vornehmsten Denckwürdigkeiten der Stadt Chemnitz" lag seit Jahrzehnten sicher in einem klimatisierten Magazinraum. "Wir haben jedes Jahr die Aufgabe, solche Kulturgüter zu erhalten."

Die Chronik ist ein Schatz für Heimatforscher: Stadtgeschichte seit den Chemnitzer Anfängen, ein Verzeichnis der Amtsträger, eine dramatische Bürgerklage nach dem Dreißigjährigen Krieg, Grabinschriften und vieles mehr.

"Die Chronik war noch relativ gut erhalten", erklärt Altbestand-Expertin Antje Schlenker (48). "Aber der Buchrücken fehlte, das Papier war brüchig." Drei Leipziger Spezialwerkstätten kümmerten sich um Reinigung, Rissbehandlung, stabile Bindung und neue Einbände.

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"Wir haben einige Chroniken aus dem Erzgebirge im Bestand. Da bot es sich an, ein thematisches Förderprojekt für alle zu machen." Insgesamt zehn Frühdrucke aus der Region wurden so restauriert.

Der Umgang mit einem so alten Buch wie der ersten Stadtchronik ist nichts für Grobmotoriker. Nur beim Umblättern sollte man auf Handschuhe verzichten.
Der Umgang mit einem so alten Buch wie der ersten Stadtchronik ist nichts für Grobmotoriker. Nur beim Umblättern sollte man auf Handschuhe verzichten.  © Sven Gleisberg
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Bibo-Förderverein sucht Buchpaten für Chemnitzer Stadtchronik

Curt Bertram (79, l.) vom Förderverein und Bibo-Lektorin Antje Schlenker (48) suchen weitere Paten auch für andere "Sorgenbücher".
Curt Bertram (79, l.) vom Förderverein und Bibo-Lektorin Antje Schlenker (48) suchen weitere Paten auch für andere "Sorgenbücher".  © Sven Gleisberg

Kosten für die Chemnitzer Chronik: gut 400 Euro - ein Schnäppchen. Doch nicht nur der materielle, sondern vor allem der ideelle Wert macht das Buch einzigartig.

Verfasst wurde es – mutmaßlich – vom damaligen Stadtschreiber Johann Gottlob Richter (1697 - 1768). Der schrieb, ungewöhnlich für die Zeit, in deutscher Sprache statt Latein. "Er wollte, dass auch normale Bürger das lesen können", so Schlenker.

Der Bibo-Förderverein sucht Buchpaten für diese Chronik und andere Bücher. Vorstand Curt Bertram (79) ist stolz: "Seit Bestehen des Vereins haben wir schon rund 58.000 Euro für Buchrestaurationen gesammelt."

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Mehr Infos gibt's unter www.foerderverein-stadtbibliothek-chemnitz.de.

Titelfoto: Sven Gleisberg

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