Chemnitz - Erst klagten Händler über ausbleibende Kunden, jetzt kommt Bewegung in die Sache! Nach einem TAG24-Bericht über die Folgen der Dauerbaustellen für den Zentrumsring starten Stadt und Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) eine Charme-Offensive. Seit Donnerstag hängen die ersten Werbeplakate. Und dabei soll es nicht bleiben.
Seit Februar wird am neuen Zentrumsring gebaut. Besonders die Sperrung der Theaterstraße macht Händlern und Gastronomen zu schaffen. Jörg Knöfel (59), Centermanager der Galerie Roter Turm, beklagte deutlich weniger Besucher. CDU/FDP-Fraktionschef Tino Fritzsche (65) sprach sogar von einem "Kommunikationsvakuum" und forderte mehr Unterstützung.
Jetzt wollen Stadt, VMS und CVAG gemeinsam gegensteuern. An der Zschopauer Straße hängt das erste Plakat mit der Aufschrift "Chemnitz baut. Du genießt". Diese Woche folgt die Kalkstraße, in den kommenden Wochen sollen weitere Plakate an weiteren Ausfallstraßen aufgehängt werden. Die Botschaft: Die Innenstadt und die Parkhäuser sind trotz Baustellen geöffnet und erreichbar!
VMS-Projektleiter Thomas Kaden (43) zeigt Verständnis für die Sorgen der Händler: "Dieses Bauen geht immer mit Einschränkungen einher." Dass die Betroffenen zu wenig informiert worden seien, weist er jedoch zurück.
Schon vor Baubeginn habe es Gespräche gegeben, Händler seien in die Planungen einbezogen worden. Auch vor neuen Bauphasen habe man gesondert informiert.
Kosten für die zehn Banner: rund 1200 Euro für die Gestaltung, finanziert durch die Initiative ChemnitzCity. Ob die Plakate tatsächlich mehr Kunden in die Chemnitzer Innenstadt locken, soll sich laut Rathaus an Besucherzahlen und Einschätzungen der Händler und Gastronomen zeigen.
Baustellenfeste in Chemnitz geplant
Mindestens ein Jahr lang sollen die Banner hängen bleiben. Weitere Ideen liegen auf dem Tisch: bessere Baustellenschilder, angepasste Ampelschaltungen und sogar Baustellenfeste.
"Wir werden diese wahrscheinlich 2027 realisieren", sagt Kaden zu den Veranstaltungen. In der kalten Jahreszeit würde daraus wohl eher eine "Schlammschlacht".
Doch warum wird nicht die Stadt selbst offensiver? Kaden verweist auf die Aufgabenverteilung: Planung, Bau und Öffentlichkeitsarbeit für das Chemnitzer Modell seien an den VMS übertragen worden. Die Stadt sei aber weiterhin eng eingebunden.
VMS-Sprecher Falk Ester (58) betont, ein Bauprojekt dieser Größenordnung habe es in einer vergleichbaren Innenstadt bislang nicht gegeben. Entsprechend fehlten Erfahrungswerte. Deshalb müsse man die eigene Arbeit kritisch hinterfragen, aus Fehlern lernen und auf Kritik möglichst schnell reagieren.
Auch finanziell soll den Betroffenen geholfen werden. Der Stadtrat beschloss für 2027 den Erlass der Freisitzgebühren. Oberbürgermeister Sven Schulze (54, SPD) hatte zudem bereits für dieses Jahr Entlastungen bei den Sondernutzungsgebühren angekündigt.