Chemnitz - Baubürgermeister Michael Stötzer (52, Grüne) hat am Freitag seinen letzten Arbeitstag im Amt. Nach 18 Jahren in der Chemnitzer Stadtverwaltung, davon zehn Jahre als Leiter des Dezernats für Stadtentwicklung und Bau, zieht er Bilanz und startet am Montag bereits in einen neuen Job.
"Es war spannender, als ich erwartet hatte, eine unwahrscheinlich große Bandbreite an Themen", sagt Stötzer rückblickend.
Besonders stolz ist er auf Projekte, die lange als unmöglich galten, beispielsweise die Verlängerung des Bahnsteigtunnels im Hauptbahnhof. "Wo hundert Jahre niemand weiterkam", so Stötzer.
Stolz ist er auch auf die Umsetzung des Marktbrunnens, wo es vorher viel Diskussionen gab und das Projekt schon einmal scheiterte. "Heute spielen dort Kinder, Menschen sitzen daneben. Das macht mich stolz."
Nicht alles ließ sich vollenden. Im Sportforum hätte er gerne noch mehr geschafft in puncto Sanierung, ebenso im Stadtbad bei der Umgestaltung ungenutzter Flächen.
Kritisch bewertet der 52-Jährige heute auch den Abriss eines Flügels der Comeniusschule im Jahr 2016. Damals war das Gebäude stark sanierungsbedürftig, die Mittel begrenzt und die Schülerzahl niedrig.
Eine umfassende Erneuerung schien nicht möglich. Später zeigte sich jedoch, dass die Zahl der Kinder am Standort wieder anstieg. "Da fehlte mir die Geduld", räumt Stötzer ein.
Baubürgermeister Stötzer wechselt in die Wirtschaft
Unvergessen bleibt für ihn der erste Besuch der Kinder der Körperbehindertenschule auf der Baustelle des Terra-Nova-Campus: "Wie sie sich gefreut haben, das bleibt."
Stressig hingegen: das Bad in Bernsdorf, belastet durch Corona, Lieferengpässe und steigende Kosten. "Ich werde es nicht vermissen", meint er. Stötzer nimmt auch ein besonderes Erinnerungsstück mit: einen alten Niet vom Eisenbahnviadukt an der Annaberger Straße. "Das halte ich in Ehren."
Viel Zeit zum Durchatmen hat Stötzer nicht. Am Montag beginnt er bereits seinen neuen Job bei der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft. "Da schließt sich der Kreis. Ich habe im Wohnungskombinat damals meine Lehre angefangen", erinnert sich Stötzer. Er wird dort den Vorstand verstärken und das Ressort Technik übernehmen.
Für die Zukunft der Stadt wünscht er sich, dass das Projekt zur Verlagerung des Busbahnhofes zum Hauptbahnhof weitergeht und eine Lösung für das Schauspielhaus gefunden wird. In seiner Zeit als Baubürgermeister von 2015 bis 2025 wurden fünf neue Schulen gebaut, 52 saniert oder erweitert.
Dazu kommen sechs neue und 31 sanierte Kitas, acht neue sowie 31 sanierte Sporthallen, 30 Interventionsflächen, 20 sanierte Brücken und 23 Kilometer Radweg. Insgesamt 900 Millionen Euro wurden verbaut.