Chemnitz - Der letzte Tiger ist weg, der neue Eingang lässt auf sich warten und vom großen Zukunftsplan ist vieles Papier geblieben. Jetzt reicht es den Linken im Chemnitzer Stadtrat! Sie fordern einen Neustart für den Tierpark - mit einem neuen Entwicklungsplan und möglicherweise sogar einer eigenen Gesellschaft.
2018 hatte der Stadtrat den Masterplan "Tierpark 2030+" beschlossen. Doch die Modernisierung kommt nur schleppend voran. "Wir haben einige Fortschritte gemacht", erklärt Linken-Stadtrat Dietmar Berger (75) und nennt Spielplatz, Affengehege und Erlebnisbauernhof.
"Das muss man eindeutig auf die Haben-Seite stellen." Trotzdem sei insgesamt "zu wenig für unseren Tierpark getan worden".
Besonders der Abschied von Amurtiger Wolodja (11) im September zeigt die Probleme: Für eine neue Großkatzenanlage fehlt bislang das Geld. Berger schätzt die Kosten auf rund vier Millionen Euro.
Bei den bisherigen Investitionen sieht Berger falsche Prioritäten. Statt zuerst den Wirtschaftshof zu bauen, hätte man mehr "Sichtbares" tun müssen: "Wir müssen irgendwas machen, was auch dem Besucher ins Auge fällt." Der Wirtschaftshof ist bis heute nicht vollständig fertig.
Den Masterplan hält Berger dennoch nicht für gescheitert. "Aber inzwischen sind fast acht Jahre vergangen, die finanziellen Rahmenbedingungen sind nicht besser geworden und die Baupreise sind gestiegen." Deshalb müsse überprüft werden, welche Vorhaben noch realistisch sind. "Da muss durchgegangen werden, was geht noch und was geht nicht mehr."
Wird der Tierpark zur gemeinnützigen GmbH?
Die Linke fordert einen Entwicklungsplan bis 2032 und will prüfen lassen, ob der Tierpark ab 2028 als gemeinnützige GmbH eigenständiger arbeiten könnte.
Bürgermeister Knut Kunze (56, parteilos) stimmt einer Überprüfung grundsätzlich zu. Sie sei "unumgänglich". Eine Arbeitsgruppe soll sich damit befassen. Den von der Linken geforderten Termin bis März 2027 hält das Rathaus allerdings für "nicht realistisch".
Berger zeigt sich kompromissbereit: "Wenn die Stadtverwaltung einen plausiblen Terminvorschlag hat, der eben nach dem März liegt", werde seine Fraktion sich nicht sperren. Aber weiter dürfe sich die Entscheidung nicht endlos hinziehen.
Am 11. November entscheidet der Stadtrat.