Mutter aus Chemnitzer kämpft für ihren hochbegabten Sohn Leon (12)

Chemnitz - Autismus ist nicht eindeutig zu definieren. Manchmal leben Betroffene mit unauffälligen Einschränkungen. In anderen Fällen braucht es intensive Unterstützung. Eine Chemnitzerin sieht das Sozialamt nicht gut genug als Anlaufstelle aufgestellt und fordert einen Autismus-Beauftragten und mehr Aufklärung. Stadt und Freistaat wollen sich dem Thema künftig intensiver annehmen.

Fast unsichtbar: Auf den ersten Blick ist Leon die Entwicklungsstörung nicht anzumerken.
Fast unsichtbar: Auf den ersten Blick ist Leon die Entwicklungsstörung nicht anzumerken.  © Kristin Schmidt

Leon (12) leidet unter einer Autismus-Spektrum-Störung, was sich unter anderem in einer Essstörung, Ausrastern bei Reizüberflutung und Orientierungslosigkeit äußert.

Obwohl die Kommunikation mit Fremden schwerfällt, gilt er als hochbegabt. "Lehrer ignorieren die Behinderung meist und sind selten geschult. In anderen Ländern können sich Autisten per Laptop in die Klasse schalten, bei uns geht das nicht", erzählt Mutter Silke Markert (44).

Ihr Sohn hat das Merkzeichen "H" (Hilflos) im Schwerbehindertenausweis, sie fordert aber "B" (Begleitperson). Das Sozialamt stellt sich quer, verweist auf die Einzelfallprüfung. Dadurch muss die Mutter die Schulbegleitung vorfinanzieren. Bei einer Klassenfahrt wären das 1000 Euro.

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"Als Alleinerziehende kann ich das nicht leisten."

Kämpfen für eine bessere Beratung und Sensibilisierung für Autisten: Leon (12) und Silke Markert (44).
Kämpfen für eine bessere Beratung und Sensibilisierung für Autisten: Leon (12) und Silke Markert (44).  © Kristin Schmidt
Im Behindertenausweis ist das Merkzeichen "H" für "Hilflos" eingetragen.
Im Behindertenausweis ist das Merkzeichen "H" für "Hilflos" eingetragen.  © Kristin Schmidt

Stadtsprecherin: "Es gibt keine Notwendigkeit für einen Autismus-Beauftragten"

Die Mutter wünscht sich eine tiefergreifende Beratung im Sozialamt durch einen Autismus-Beauftragten. Hierzu läuft eine Petition.
Die Mutter wünscht sich eine tiefergreifende Beratung im Sozialamt durch einen Autismus-Beauftragten. Hierzu läuft eine Petition.  © Kristin Schmidt

Um im Alltag besser beraten zu werden, fordert sie für Gehandicapte einen Autismus-Beauftragten. In anderen Städten gibt es den Posten.

Denn erst nach bestätigter Diagnose greifen Angebote und Ansprüche, beispielsweise im Autismus-Zentrum. Möglichkeiten wie eine "Stille Stunde" in Bibliotheken und höhere Sensibilisierung in der Öffentlichkeit seien dadurch besser zu realisieren.

Der Freistaat hat das Thema seit kurzem auf dem Schirm. "Im Rahmen des Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wird diskutiert, ob eine spezielle Autismus-Strategie erarbeitet werden sollte", so eine Sprecherin vom Sozialministerium.

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Chemnitz plant nach Anregungen für Ende März 2023 eine "Themenwoche Autismus". Aber: "Es gibt keine Notwendigkeit für einen Autismus-Beauftragten", so eine Sprecherin.

Die Stadt verweist auf die Behindertenbeauftragte, das Autismus-Zentrum und SFZ Förderzentrum.

Titelfoto: Kristin Schmidt

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