Chemnitz/Leipzig - Eigentlich sollte mit den neuen Akku-Zügen auf der Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig alles besser werden. Doch die Probleme reißen offenbar nicht ab. Ein TAG24-Leser berichtet von einer völlig chaotischen Fahrt: Verspätungen, überfüllte Züge und unfreundliches Personal. Die MRB weist die Vorwürfe zurück.
Am Samstag war Patrick H. (39) mit seiner Tochter (8) im RE 6 von Chemnitz nach Leipzig unterwegs. Die Fahrt hatte er sich völlig anders vorgestellt. Nur ein Zugteil war laut dem 39-Jährigen im Einsatz. Dabei sollten die Bahnen eigentlich in einer sogenannten Doppeltraktion (zwei aneinanderhängende Züge) fahren.
Der Zug war rammelvoll! Kein Wunder: Neben den normalen Wochenendpendlern waren laut Patrick auch zahlreiche Besucher des Highfield-Festivals, Fußballfans wegen des Spiels Chemnitz gegen Aue und Reisende mit Rädern unterwegs.
"Die Menschen standen dicht gedrängt in den Gängen", berichtet Patrick. Obwohl die Klimaanlage lief, soll es im Zug extrem stickig gewesen sein.
"Unter solchen Bedingungen mit einem Kind zu reisen, ist alles andere als angenehm und aus meiner Sicht auch nicht familienfreundlich", schimpft der 39-Jährige. Am Ende kam der Zug mit fast 20 Minuten Verspätung in Leipzig an.
MRB: "Keine Hinweise auf außergewöhnlich hohes Fahrgastaufkommen"
Patrick ist bereits seit vielen Jahren regelmäßig auf der Strecke unterwegs. "Jede Fahrt ist inzwischen eine regelrechte Wundertüte", sagt er. Bei fast jeder Fahrt habe er Probleme gehabt: Verspätungen, technische Schwierigkeiten, reduzierte Kapazitäten oder mangelnde Informationen.
Dazu berichtet der TAG24-Leser von unfreundlichen Kundenbetreuern: "Ich habe mehrfach erlebt, dass Fahrgäste angeraunzt oder wenig respektvoll behandelt wurden." Es fehle an "klarer Kommunikation, professioneller Rhetorik und einem respektvollen Umgang mit den Fahrgästen". Auch Beschwerden würden vom Kundenservice nicht ernst genommen.
TAG24 konfrontierte die Mitteldeutsche Regiobahn mit den Vorfällen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Alle Züge seien am Samstag in Doppeltraktion unterwegs gewesen, heißt es.
"Hinweise auf ein außergewöhnlich hohes Fahrgastaufkommen lagen uns für diesen Tag nicht vor", so die MRB. Kurios: Bilder vom Samstag, dass zumindest ein Zug völlig überfüllt war.
Zu den Beschwerden über Kundenbetreuer und Kundenservice sagt die MRB: "Ein professioneller und respektvoller Umgang mit unseren Fahrgästen hat für uns einen hohen Stellenwert." Es gebe regelmäßige Schulungen zu Kommunikation, Kundenservice und Deeskalation.
Ein Problem gibt es aber dennoch: Laut Falk Ester (58), Sprecher des Verkehrsverbunds Mittelsachsen (VMS), gab es bis zuletzt nicht genügend Züge: "Es sind nicht ausreichend verfügbare Fahrzeuge im Einsatz."
Grund dafür: Eigentlich sollten bereits vor zwei Jahren alle elf Akkuzüge vom Hersteller Alstom geliefert werden. Bis zuletzt war ein Fahrzeug noch nicht ausgeliefert.
Erstmeldung: 18. August, 18.39 Uhr, zuletzt aktualisiert: 18.59 Uhr