Ratten im Klinikmüll? Ex-Mitarbeiter kritisiert Zustände am Weißen Weg
Chemnitz - Ein riesiger Berg Klinikmüll türmt sich im Abfallbunker. Einige Säcke sind aufgerissen, gebrauchtes Infusionsbesteck, Spritzen mit Blutresten, Dialysefilter, Windeln quellen hervor. Am Weißen Weg sammelt der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC) den Müll vor seinem Abtransport in die Verbrennungsanlage Zorbau in Sachsen-Anhalt.
Was sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt, war bis vor wenigen Tagen der Arbeitsplatz von Dieter Rößger (63).
Er beklagte die Arbeitsbedingungen im Müllbunker: "Die Klinikabfälle liegen bis zu drei, vier Wochen übereinander, um eine Verringerung des Volumens zu erreichen, damit die Trailer beim Abtransport besser ausgelastet sind. Ratten reißen die Säcke auf und sind ungestört, weil immer nur ein Teil des Mülls abgeholt wird. Ich habe Bedenken, dass sich dort Keime bilden und Mitarbeiter krank werden könnten."
Jana Neubert, Geschäftsführerin des Abfallwirtschaftsverbandes Chemnitz (AWVC), sagte dazu: "Die Abholung der Krankenhausabfälle zur Entsorgung erfolgt zwei- bis dreimal in der Woche. Die durchschnittliche Lagerungszeit ist dementsprechend auch auf diese Zeit begrenzt. Es erfolgt im Bunker und beim Verladen keine maschinelle Verdichtung."
"Zur Kontrolle des Befalls mit Ratten wird regelmäßig eine Schädlingsbekämpfung beauftragt." Zudem seien "ausreichend Vorkehrungen in Sachen Arbeitsschutz der Mitarbeiter getroffen", so Neubert weiter.
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Arbeitsschutzbehörde kündigt Begehung an
Das Klinikum Chemnitz verwies auf TAG24-Anfrage auf seine Mülltrennung nach den Vorgaben der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft Abfall.
"Zur Unterstützung der Abfalltrennung existiert ein Farbleitsystem. Die roten Säcke enthalten demnach nicht infektiöse Abfälle", so eine Kliniksprecherin. Pro Woche fallen am Klinikum Chemnitz rund 40 Tonnen Müll an, davon rund 20 Tonnen reiner Krankenhausabfall.
TAG24 legte die Fotos aus dem Müllbunker der Arbeitsschutzbehörde der Landesdirektion Chemnitz vor.
Eine Sprecherin kündigte an: "Es wird eine Begehung in der Betriebsstätte stattfinden. Bei dieser Kontrolle werden wir die übermittelten Beschwerdegegenstände genauer überprüfen."
Titelfoto: Bildmontage: privat (2)

