Chemnitz - Gemeinsam feiern, obwohl man nicht am selben Ort ist? Die TU Chemnitz will herausfinden, ob das in der virtuellen Realität funktioniert. Im Projekt "ViLiEv - Virtuelle Live-Events" ist dafür eine Anwendung entstanden, mit der Menschen gemeinsam virtuelle Kulturveranstaltungen besuchen können. Jetzt wird sie in einer Studie am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement getestet. TAG24-Reporter Linus Tresselt hat sie ausprobiert.
Im Labor setze ich die VR-Brille auf. Vor mir erscheint ein futuristischer Club im Weltall. "Das Coole: Man muss sich nicht an die normalen Grenzen halten. Das war dann naheliegend, dass man was macht, was real nicht möglich ist", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Selina Palige (31).
Mit zwei Controllern kann ich mich durch den Club bewegen, Fotos machen oder mir ein Getränk holen. Mein erster Gedanke: wie ein Playstation-Spiel, nur dass ich diesmal mittendrin bin.
Zahlreiche Avatare bewegen sich durch den Club. Palige führt mich als Avatar durch die virtuelle Welt. Auf der Bühne legt ein DJ auf. "Es sind richtige Songs, die ein Hobby-DJ zusammengemixt hat", erklärt sie.
Positive und nachdenkliche Gefühle nach Test
Auch die Kommunikation wirkt erstaunlich real. Entfernt sich jemand, wird seine Stimme leiser. Die Musik überlagert Gespräche - fast wie in einem echten Club.
Nach dem Test bleibt bei mir ein positives, aber auch nachdenkliches Gefühl. Ich finde es spannend, eine solche Erfahrung machen zu können. Die Avatare wirken überraschend nah - für einen Moment habe ich das Gefühl, mit ihnen einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Eine Eins-zu-eins-Erfahrung wie in einem echten Club ist die virtuelle Welt allerdings nicht.
Schweiß, Biergeruch oder die stickige Luft auf der Tanzfläche fehlen. Für Menschen, die mit Reizüberflutung zu kämpfen haben, kann das aber auch ein Vorteil sein. Als ich schließlich die Brille wieder absetze, wird mir jedoch bewusst, was fehlt: der direkte menschliche Kontakt. Für den einen oder anderen kann sich das Erlebnis deshalb eher wie ein Science-Fiction-Spiel als wie ein echter Clubabend anfühlen.
Wer die Anwendung selbst testen möchte, kann noch bis zum 11. September an der Virtual-Reality-Studie teilnehmen. Dafür gibt es 25 Euro. Anmeldung und Infos: mytuc.org/yghs